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14:28 27.12.2019

Diese Worte könnte man auch singen nach der Melodie eines Weihnachtsliedes, das für mich zu den schönsten und tiefsinnigsten gehört. Text Paul Gerhardt, Melodie Johann Sebastian Bach. Der Titel mit Bezug auf Jesu Geburt lautet: „Ich steh an deiner Krippen hier“. Der Kinderwagen kommt ins Spiel, weil ich vor wenigen Monaten Groß vater geworden bin, und der Blick auf die Enkeltochter hat in mir das Verständnis dafür aufgefrischt, was Paul Gerhardt im Blick auf Jesus am Anfang der vierten Lied strophe schreibt: „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen.“ Welch Freude, ein neugeborenes Kind! Immer wieder schaut man es sich an, streichelt über das Gesicht, nimmt es vorsichtig in den Arm, staunt über das Wunder des Lebens. Behutsam, zärtlich, achtsam muss man mit dem Kind umgehen – wie eigentlich mit dem Leben überhaupt. Und welch Glücksgefühl, wenn das neugeborene Kind nach nicht langer Zeit einen zum ersten Mal richtig anlächelt. Es schenkt sein Lächeln einfach so, gratis möchte man sagen, was von dem lateinischen Wort „gratia“ kommt, übersetzt „Gnade“. Gnade – jemand ist mir zugeneigt, ohne zu fragen, wer genau ich bin oder ob ich diese Zuneigung überhaupt verdient habe.

Mit der Geburt Jesu schenkt Gott uns und der Welt sein Lächeln, seine bedingungslose Zuneigung. Man kann nur staunen. Der große Gott ganz klein, ein Kind, selbst Mensch geworden, um zu unterstreichen, wie sehr ihm an uns liegt. Wir sind für ihn eine Herzensangelegenheit. Das Lukas evangelium spricht in Bezug auf Jesu Kommen von der herzlichen Barmherzigkeit unseres Gottes, „durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“ (Lk 1,78f.).
 

Foto: © haveseen/123RF
Foto: © haveseen/123RF

Mit jedem Kind bekommt die Welt eine Chance, besser, liebevoller zu werden, als sie aktuell ist. Jedes neugeborene Kind bedeutet Erneuerung des Lebens. Obwohl Vergänglichkeit, Sterben und Tod zum irdischen Leben dazugehören und man resignieren könnte, ist die Geburt eines Kindes ein Protest dagegen und damit eine Demonstration für das Leben.

Von dem bengalischen Dichter und Literaturnobelpreisträger Rabindranath Tagore stammt der Satz: „Jedes neugeborene Kind bringt die Botschaft, dass Gott sein Vertrauen in die Menschheit noch nicht verloren hat.“ Mit jedem Menschen vertraut Gott darauf, dass sich ein Mensch einsetzt der Schönheit des Lebens zugute, dass ein Mensch seine Füße auf den Weg des Friedens richtet, also mit seinem Sprechen und Tun sich engagiert für die Heil- und Gutwerdung des Lebens.
 

Foto: © Thoermer/123RF
Foto: © Thoermer/123RF

Mit der Geschichte Jesu führt Gott uns vor Augen, wie das aussieht, heilend, vergebend, befreiend, wohltuend zu wirken. Gottes Liebe stiftet uns an, selbst zu liebenden Menschen zu werden, getragen und bewegt von der göttlichen Liebe. Und die ist bedingungslos, unauslöschlich und ewig, sie umgreift Himmel und Erde. Weil Jesus solche Liebe verkörpert, steh ich an seiner Krippen hier, sehe ihn mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen. Jeder Mensch darf sagen: Ich bin ein von Gott Geliebter in Zeit und Ewigkeit.

Gesegnete Weihnachten und beste Wünsche auch für das neue Jahr 2020.

Dr. Volker Menke,
Superintendent des Ev.-luth. Kirchenkreises Peine
 

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