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Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine

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11:24 30.12.2020
Foto: © Smileus/123RF

Anfang Dezember fand ich beim Gang durch die Peiner Fußgängerzone vor einem Geschäft folgende Aufschrift: „Kauft Blumen für das Seelenheil, nicht Klopapier fürs Hinterteil.“ Ich musste schmunzeln. Sie vielleicht tun es jetzt gerade auch. Dabei hat der gereimte Satz ja durchaus einen ernsten Hintergrund. Er nimmt Bezug auf die Corona-Pandemie, die uns und die ganze Welt seit Monaten beschäftigt, zusetzt und bedrängt. Zeiten des Hortens von Klopapier gehören dazu. Man kann dieses Verhalten deuten als Ausdruck von Sorgen und Angst angesichts der Krise, aber wohl auch als ein Zeichen, wie schnell Menschen anfangen können, vor allem an sich zu denken und sich egoistisch zu verhalten. In einer Krise, wenn Dinge düster und dunkel erscheinen, sucht man besonders nach Farbtupfern. Eine Krise ist in der hellen Jahreszeit, wenn alles grünt und blüht, wohl leichter zu ertragen als in der dunklen. So sind auch Blumen ein Hoffnungszeichen. Ihre Farben, ihr Duft tun der Seele gut. Sie verschönern das Leben.

Auch Weihnachten hat in gewisser Weise mit Blumen zu tun, besser gesagt, mit einer ganz besonderen Blume. Eines der bekanntesten Weihnachtslieder drückt die Geburt, das Kommen Jesu so aus: „Es ist ein Ros entsprungen“.

Zum Ursprung des Liedes wird Folgendes erzählt: In der Nähe von Trier fand am verschneiten Weihnachtsmorgen des Jahres 1587 ein Mönch an einer Brunnenmauer zwischen froststarren Zweigen eine unverblühte und nicht erfrorene Rose. Er legte sie auf den Altar der Kapelle, wo er den Gottesdienst auf der Orgel begleitete. In dem Gottesdienst kam mit Blick auf Jesu Geburt die alte Verheißung aus dem Prophetenbuch Jesaja zur Sprache, dass „ein Reis hervorgehen“ wird „aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen“ (Jes. 11, 1). In dem Moment wurde die Rose, die Eis und Schnee widerstanden hatte, dem Mönch zu einem Zeichen für Jesus und die Bedeutung seines Kommens. Er fügte zu einer Volksliedmelodie Worte hinzu, angefangen mit „Es ist ein Ros entsprungen“.


Das Lied erzählt von dem „Blümlein“, von dem Kind Jesus, das uns geboren wird und „uns selig macht“, also uns rettet und befreit. Und solches Seelenheil müssen wir nicht kaufen, können es auch gar nicht kaufen, es wird uns von Gott geschenkt, weil er uns lieb hat. Der Heilige Abend, Weihnachten, Jesu Geburt unterstreichen, dass wir für Gott eine Herzensangelegenheit sind. Zeit und Ewigkeit, Erde und Himmel, müssen zusammen gedacht werden; sie sind miteinander verbunden, und darum wird, ja muss alles, was geschieht, gut ausgehen.

In der berühmten Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium verkündigt der Engel angesichts der Geburt Jesu „große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren“ (Lk 2, 10). Nicht nur Freude, sondern große Freude, nach dem griechischen Urtext könnte man auch sagen Megafreude, ist den Menschen zugesagt. Ich denke, Weihnachten in seiner tiefen Bedeutung und seiner Tiefenwirkung wird es, wenn Menschen das Kommen Jesu und die dahinterstehende Liebe Gottes als treibende Kraft auf sich wirken und sich von ihr bewegen lassen.

Dann wird Christus auch in uns geboren. Dann werden Menschen erfüllt von einer inneren Widerstandskraft, die siegreich die Auseinandersetzung aufnimmt, mit allem, was uns bedrängen und zusetzen will. Bildlich gesprochen: Licht drängt mehr und mehr das zurück, was wir mit dem Stichwort „Finsternis“ verbinden. Furcht, die lähmt und niederdrückt, muss Platz machen der Erfahrung von Freude, ja großer Freude. Und solche innere Erfahrung verschafft sich Ausdruck, indem Menschen sich gestärkt und ermutigt aufmachen, um auch Krisenzeiten zu trotzen und zu meistern. Das Licht, die Liebe, das Leben triumphieren. Das unterstreicht die Geburt Jesu und die ganze Geschichte, die Gott durch ihn schreibt.

Gesegnete Weihnachten und dann auch einen hoffnungsvollen Übergang ins neue Jahr

Ihr Volker Menke, Superintendent des Ev.-luth. Kirchenkreises Peine

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