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Home Sonderthemen Aus der Geschäftswelt Versuchslabore der Artenvielfalt
10:24 12.10.2020
Der Baggersee bei Plockhorst: In dem Gewässer hat der Fischereiverein markierte Fische ausgesetzt. Foto: Forschungsteam "Baggersee"
Jürgen Pohl

Plockhorst/Wahle. Im Kreis Peine wird für mehr Artenvielfalt am und im Wasser gekämpft: Vereine des Angelverbands Niedersachsens (AVN) sowie Forscher vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) möchten Baggerseen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen aufwerten. Daher sind derzeit Biologen unter anderem an den Gewässern bei Plockhorst und Wahle unterwegs.

Bootfahren ist an den Baggerseen Wahle und Plockhorst eigentlich verboten. Doch wer kürzlich an einem der beiden Seen vorbeikam, dem sind vielleicht das grüne Forschungsboot und das graue Projektmobil vom Forschungsteam „Baggersee“ aufgefallen. Die Biologen testen verschiedene Möglichkeiten, wie die Artenvielfalt in und an Baggerseen mit Hilfe von Anglern erhöht werden kann.

Warum sich die Arbeitsgruppe ausgerechnet auf Baggerseen statt auf natürliche Biotope stürzt, erklärt Projektkoordinator Prof. Dr. Robert Arlinghaus vom IGB und der Berliner Humboldt- Universität: „Schaut man sich das Volumen kleiner Baggerseen alleine in Niedersachsen an, schlummert hier ein riesiges Potential zur Förderung der wassergebundenen Artenvielfalt.“ Denn in Niedersachsen gebe es kaum Naturseen. Doch leider würden Baggerseen für Tiere und Pflanzen meist keine optimalen Lebensbedingungen bieten. Die Idee des Projektteams ist darum, Baggerseen aktiv so umzugestalten, dass dort mehr heimische, teils bedrohte Wasserpflanzen, Insekten, Wasservögel und Fische ein Zuhause finden.

Wasserverband Peine

Während die Angelvereine zusammen mit den Forschern in verschiedenen niedersächsischen Baggerseen etwa Totholzbündel am Ufer versenken und eine Flachwasserzone ausbaggern, wurde in Plockhorst etwas anderes versucht: Der Fischereiverein Peine-Ilsede und Umgebung kaufte Fische, ließ diese durch die Berliner Wissenschaftler markieren und setzte sie dann in den See. Der Fischereibiologe Sven Matern erklärt: „Fischbesatz ist eine häufige Praxis von Angelvereinen, um Fischbestände in den Vereinsseen zu erhöhen. Doch wird dabei meist vergessen, dass jedes Gewässer nur begrenzt viele Tiere beherbergen kann. Wenn mehr Fische im Baggersee überleben sollen, muss dieser auch mehr Futter und Verstecke bereitstellen. Darum denken wir, dass Fischbesatz oft nicht den gewünschten Erfolg hat.“

Wird der Fokus stattdessen auf eine Verbesserung des Lebensraums gesetzt, könnten davon nicht nur Fische profitieren, sondern auch andere Arten entlang der Nahrungskette – zum Beispiel Libellen. Abschließende Ergebnisse gebe es erst zum Projektende im Jahr 2022. Doch kann Matern bereits jetzt sagen, dass er bei den Probe-Befischungen in Plockhorst bislang kaum markierte Besatzfische gefangen hat.

Wahle hingegen sei einer von vier sogenannten Kontrollseen der Studie. Hier werde nichts unternommen, außer der regelmäßigen Beprobung der Fischpopulationen und des Arteninventars. Diese „Blindprobe“ sei wichtig, um die Untersuchung wissenschaftlich hieb- und stichfest zu machen. Von Dennis Nobbe

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