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Home Sonderthemen Aus der Geschäftswelt Das ändert sich für Steuerzahler im Jahr 2020
23:20 19.01.2020
Hubert Pflaum, Peiner Ortsverbandsvorsitzender des Steuerberaterverbandes Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, informiert über Steueränderungen 2020. Birthe Kußroll-Ihle

In diesem Jahr ändert sich wieder steuerlich einiges für Familien, Kapitalanleger, Arbeitnehmer, Selbständige und Arbeitgeber. Der Gesetzgeber bleibt im Steuerrecht reformfreudig. So hat die Berliner Gesetzesmaschinerie in den letzten Monaten des alten Jahres eine Vielzahl an steuerlichen Neuregelungen beschlossen. „Nahezu alle Steuerzahler müssen sich auf geänderte Spielregeln einstellen. Die gute Nachricht dabei ist, dass Sie an der einen oder anderen Stelle dadurch mehr Geld vom Finanzamt wiederbekommen können. Viele Neuregelungen wirken sich auch unmittelbar auf Unternehmen aus“, informiert Steuerberater Hubert Pflaum. Er ist Peiner Ortsverbandsvorsitzender des Steuerberaterverbandes Niedersachsen/Sachsen-Anhalt und hat in einer Auswahl die wichtigsten gesetzlichen Neuerungen zusammengestellt, die seit 1. Januar 2020 gelten.

Ein wichtiges Thema ist zudem die Abschaffung des Solidaritätszuschlags, der für rund 90 Prozent der Lohn- und Einkommenssteuerzahler – ausgenommen sind Spitzenverdiener – ab 2021 wegfallen soll. Bundestag und Bundesrat hatten am 29. November 2019 das Gesetz zur Rückführung des Solidaritätszuschlags beschlossen.
   

Möglichkeiten Geld zu sparen

Änderungen stehen 2020 zum Beispiel an beim Grundfreibetrag, Mietwohnungsneubau, Kindergeld, bei der Weiterbildung, Aktien und der Entfernungspauschale an. Weiterhin Thema bleibt die Förderung von Elektromobilität. „Wie jedes Jahr gilt es für Privatpersonen sowie Unternehmer, Freiberufler, Arbeitgeber und Kapitalgesellschaften die aktuellen Änderungen sowie Optimierungspotential zu beachten, wobei die Steuerberater mit Rat und Tat zur Seite stehen“, sagt Pflaum.

Familien

Der Grundfreibetrag steigt 2020 um 240 Euro auf dann 9408 Euro pro Steuerzahler. Verheiratete können damit in diesem Jahr 18 816 Euro steuerfrei verdienen.

Wer nahe Angehörige finanziell unterstützt, kann diese Zahlungen bis zur Höhe des Grundfreibetrages in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.
   

Kinderfreibeträge fallen ab 2020 mit 7812 Euro etwas höher aus, da der sächliche Kinderfreibetrag um 96 Euro auf 2586 Euro pro Kind und Elternteil angehoben wird (zusammen 5172 Euro).

Neu geregelter Elternunterhalt: Sozialhilfeträger dürfen künftig auf das Einkommen der Kinder pflegebedürftiger Eltern erst dann zurückgreifen, wenn deren Bruttoeinkommen 100 000 Euro übersteigt. Umgekehrt gilt dies auch für Eltern von volljährigen pflegebedürftigen Kindern.

Arbeitnehmer

Berufliche Fort- und Weiterbildungskosten von Arbeitnehmern – zum Beispiel für Computer- oder Sprachkurse – werden rückwirkend ab 2019 steuerfrei.

Der gesetzliche Mindestlohn pro Zeitstunde ist 2020 auf 9,35 Euro angehoben. Für den Arbeitnehmer gelten im Übergangsbereich bis zu einem Verdienst von 1300 Euro günstigere Vorschriften mit reduzierten Sozialversicherungsbeiträgen.

Auszubildende erhalten künftig eine Mindestvergütung – im ersten Ausbildungsjahr monatlich 515 Euro. 2021 erhöht sie sich auf 550 Euro, 2022 auf 585 Euro und 2023 auf 620 Euro.

Für Berufstätige, die mehr als 8 Stunden beruflich auswärts tätig sind, steigen die Verpflegungspauschalen von 12 auf 14 Euro, bei 24 Stunden Abwesenheit auf 28 Euro, für An- und Abreisetag bei mehrtägigen Reisen auf 14 Euro. Kraftfahrer, die viele Tage auf Achse sind und im Auto übernachten müssen, können ab 2020 pauschal 8 Euro pro Arbeitstag absetzen.

Der Staat fördert umweltfreundliche Mobilität: Arbeitnehmer, die einen Elektro- oder Hybriddienstwagen auch privat nutzen, sollen bis Ende 2030 statt bis 2021 nur die Hälfte des geldwerten Vorteils versteuern müssen. Auch das Dienstrad, das der Arbeitgeber zusätzlich zum regulären Gehalt spendiert, soll bis Ende 2030 steuerfrei bleiben.

Künftig sollen auf das Jobticket, das Mitarbeiter aus ihrem Gehalt finanzieren, nur 25 Prozent Steuern anfallen. Es bleibt sozialversicherungsfrei. Zudem können sie trotzdem die 30-Cent-Entfernungspauschale für den Arbeitsweg absetzen. Gibt es das Jobticket zusätzlich zum Gehalt, ist es nach wie vor steuerfrei.

Die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer 2020 wird von bisher 17 500 Euro auf 22 000 Euro pro Kalenderjahr angehoben.

Kapitalanleger

Ab 2020 können Verluste aus Aktien oder Optionsscheinen mit Gewinnen aus anderen Kapitalanlagen nicht mehr verrechnet werden. Zudem sollen strengere Meldevorschriften für Immobilienmakler, Notare, Goldhändler und Auktionshäuser den Kampf gegen Geldwäsche verbessern. Makler und Notare sind künftig bei Mietverträgen ab einer Monatsmiete von 10 000 Euro zu einer Meldung wegen des Verdachts auf Geldwäsche verpflichtet. Im Handel mit Edelmetallen sinkt die Grenze für Verdachtsmeldungen von 10 000 auf 2000 Euro.

Und: Vermieter können neue Mietwohnungen, die maximal 3000 Euro pro Quadratmeter kosten, jeweils mit 28 Prozent in den ersten vier Jahren abschreiben. bik
  

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