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11:53 28.08.2018
Es blieb sein einziger Einsatz in Russland: Schiedsrichter Felix Brych beim WM-Spiel zwischen Serbien und der Schweiz.

Die Weltmeisterschaft war nicht nur für das Team von Joachim Löw eine Enttäuschung. Auch Deutschlands bester Schiedsrichter Felix Brych kehrte früh heim. Der Münchner durfte nur das Gruppenspiel zwischen Serbien und der Schweiz pfeifen, nach dem der serbische Verband wegen eines nicht gegebenen Elfmeters Protest gegen die Spielleitung einlegte und Serben-Trainer Mladen Krstajic gar forderte, Brych „nach Den Haag zu schicken“, dem Sitz des UN-Kriegsverbrechertribunals.

Der Deutsche wurde von der Fifa als einer der ersten Referees nach Hause geschickt. Er, der Weltschiedsrichter von 2017. Der deutsche WM-Rekord-Unparteiische Markus Merk sprach von einer „Demütigung“.



In der Bundesliga kehrt Brych zurück auf die große nationale Bühne. Wie wird er mit der Demütigung umgehen?

Was die WM gezeigt hat: Der Videobeweis kann funktionieren – wenn man ihn richtig und sparsam anwendet. Ob damit die Diskussionen in der Bundesliga aufhören? Zumindest sollen die Entscheidungen mithilfe kalibrierter Abseitslinien in 3-D gerechter werden. Die Zuschauer im Stadion und am TV-Schirm sollen über den Entscheidungsprozess informiert werden. So wird der Grund für den Einsatz des Videobeweises eingeblendet. „Größtmögliche Transparenz“ bezeichnete DFLDirektor Ansgar Schwenken als das Ziel. Der frühere Referee Jochen Drees wurde zum neuen Projektleiter ernannt.

Die DFL hat sich wegen des gestiegenen Personalbedarfs in der Kölner Videozentrale entschlossen, die Anzahl der Schiedsrichter in der deutschen Eliteliga von 24 auf 26 aufzustocken. Die „Neuen“ sind Daniel Schlager (Rastatt) sowie Robert Schröder (Hannover).

Seit 2015 ist der heute 28-jährige Schlager DFB-Schiedsrichter. In den vergangenen beiden Spielzeiten hat er 18 Partien in der 2. Liga gepfiffen. Schröder war seit 2015 Referee in 27 Zweitligaspielen. Über den 32-Jährigen und seinen Kollegen sagt DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich: „Beide haben eine exzellente Entwicklung hinter sich, mit sehr positiven Einschätzungen durch die zuständigen Schiedsrichter-Coaches. Sie zeichneten sich besonders im Spielmanagement und in ihrer Persönlichkeit bei den Spielleitungen aus.“ Neue Gesichter an der Pfeife, neue Regeln auf dem Platz. Der Überblick.


Kommunikation: In der Nähe der Trainerbänke werden „technische Zonen“ eingerichtet, in denen tragbare Mobilgeräte (Tablets, Smartphones) „zu Taktik- oder Coachingzwecken oder zum Wohl der Spieler“, wie es in den DFB-Statuten heißt, genutzt werden dürfen. So soll die Kommunikation zwischen Trainern am Spielfeldrand und auf der Tribüne – wie bei der WM bereits geschehen – gewährleistet sein. Bei Verletzungen können die Trainer zudem mit den Betreuern auf dem Feld sprechen, um eine Diagnose einzuholen.

Pfeifen erstmals in der Bundesliga: Der Hannoveraner Robert Schröder (links) und Daniel Schlager (Rastatt).
Pfeifen erstmals in der Bundesliga: Der Hannoveraner Robert Schröder (links) und Daniel Schlager (Rastatt).

Abseits: Die neue Regel 11 der Statuten besagt, dass „für die Beurteilung einer Abseitsstellung der Moment des ersten Kontakts mit dem Ball zählt“. Bei Abseitssituationen entscheiden hundertstel Sekunden. Der Zeitpunkt der Ballabgabe, zuvor als entscheidender Moment definiert, erschien nicht mehr klar genug abgegrenzt. Nun zählt der Moment, in dem der Fuß bei der Passbewegung erstmals den Ball berührt. Die Neuregelung soll für eine eindeutige Linie sorgen.

Trinkpausen: Erfrischungsunterbrechungen dürfen künftig nicht länger als eine Minute dauern. Diese Zeit und die für Videoüberprüfungen muss zukünftig nachgespielt werden.

Die Bezahlung der Schiedsrichter bleibt fast gleich. Pro Einsatz bekommen sie 5000 Euro (Assistenten 2500 Euro, vierter Offizieller 1250 Euro). Das Grundhonorar wird leicht angehoben. Die Fifa-Schiedsrichter „First Class“ (wie Brych) bekommen 80 000 Euro Gehalt pro Jahr (vorher 79 000 Euro). Die übrigen Fifa-Schiedsrichter und Bundesliga-Referees mit mehr als fünf Jahren Erfahrung in der Eliteliga erhalten ebenso 1000 Euro mehr (70 000 Euro). Alle weiteren Bundesliga-Schiris bekommen 60 000 Euro.


Von Babak Rafati

Endlich geht die Bundesliga los. Ein spannendes Jahr erwartet uns dabei nicht nur sportlich, sondern auch für die Schiedsrichter, die in den vergangenen Jahren oft sehr in der Kritik standen. In der Saison 2017/2018 vor allem wegen des Videobeweises. Ich hoffe, dass sich einiges ändern wird – ein Vorbild sollte die WM sein.

Denn in der Bundesliga herrscht eine zu kleinliche Spielleitung. Die Schiedsrichter agieren eher mutlos und trauen sich nicht, strittige Situationen laufen zu lassen. Dafür fehlt die Rückendeckung durch den DFB. Die Vereine fordern die internationale Härte auch im nationalen Bereich.

Beim Videobeweis ist die Testphase vorbei. Hier müssen die Schiris ebenfalls großzügiger werden. Mein Vorschlag: ein ausländischer Assistent. Denn Schiedsrichter sind Konkurrenten. Die Videoreferees im Kölner Keller profitieren davon, wenn der Schiri auf dem Feld Fehler macht, weil es ihn in der Rangordnung nach hinten wirft. Ein ausländischer – unabhängiger – Assistent würde diese Rivalität aussetzen.

Rafati (48) leitete 84 Bundesliga-Spiele, arbeitet heute als Referent und Mentalcoach.

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