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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege Raus aus der Tabuzone bei psychischen Problemen
10:55 23.03.2019
Wenn andauernde Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Abgeschlagenheit zu einem Problem werden, ist es wichtig, sich Hilfe zu holen. FOTO: DPA

Von Nicole Laskowski 

Peine. Kennen Sie das auch oder kennen Sie jemanden, der folgendes Gefühl kennt? „Ich fühle mich müde, erschöpft und antriebslos und habe eigentlich zu gar nichts mehr so richtig Lust.“ Oft ist an dieser Stelle die Verunsicherung groß: Ist das noch „normal“ oder schon eine psychische Störung? Wann ist es sinnvoll, sich professionelle Unterstützung zu holen? Die Antwort ist erfreulich einfach: immer!

Leider sind psychische Probleme immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema. „Statistisch gesehen ist jeder Fünfte einmal im Leben betroffen“, weiß Claudia Brasse vom Gesundheitsamt Peine und ergänzt: „Bei der Frage, was hilft, mich bei psychischen Problemen eben nicht ausgegrenzt zu fühlen und in eine Isolationsfalle zu geraten, spielen Kontakt und Gespräch mit anderen, vielleicht selbst betroffenen Menschen eine wesentliche Rolle.“ Gemeinschaft schütze und mache psychisch stark, heißt es.


“Bewegung ist gut für die Seele. Laufen oder walken Sie mit anderen Menschen.“

Claudia Brasse
Gesundheitsamt Peine


Der Landkreis Peine bietet hierzu viele Angebote, erklärt die Expertin. „Bewegung ist gut für die Seele. Laufen oder walken Sie mit anderen Menschen oder selbst Betroffenen jeden Dienstag im Herzberg. Der Einstieg ist jederzeit möglich.“

Weiter macht Brasse auf den sozialpsychiatrischen und sozialen Dienst des Gesundheitsamtes aufmerksam.

„Unter der Woche berät der Dienst unter der Telefonnummer 05171/4017103. Nennen Sie einfach Ihr Anliegen und Sie werden an den entsprechenden Mitarbeiter des Gesundheitsamtes weitergeleitet“, sagt Brasse.

Die Krisenhilfe bietet eine Soforthilfe für Betroffene und Mit Stress richtig umgehen lernen Jeder zweite Bundesbürger fühlt sich von Burnout bedroht – Die drei Säulen der Stressbekämpfung Angehörige in Krisen- und Notsituationen immer Freitagnachmittags, am Wochenende und an allen Feiertagen. Ambulante Hilfe in Peine für Menschen in seelischen Notlagen bieten darüber hinaus die FIPS GmbH und die Arcus gGmbH. Beide bieten auch Gruppenangebote zum Thema psychische Gesundheit.

„Wo immer Sie sich melden und wie immer Sie aktiv werden – tun Sie es! Denn Isolation ist Gift für die Seele“, rät Brasse.

Ein weiteres Hilfsangebot können Betroffene jeden dritten Dienstag im Monat beanspruchen.

„Dann treffen PsychiatrieErfahrene, deren Angehörige, Profis aus dem psycho-sozialen Arbeitsfeld und interessierte Bürger sich zum Austausch auf Augenhöhe beim Trialog-Forum. Als fortlaufendes Angebot ist jede einzelne Veranstaltung in sich abgeschlossen. Teilnehmen kann man also auch nur an einzelnen Veranstaltungen“, so Brasse abschließend.


Wenn der Stress zu groß wird, gilt es die Notbremse zu ziehen und dem Körper Ruhe zu gönnen. FOTO: DPA
Wenn der Stress zu groß wird, gilt es die Notbremse zu ziehen und dem Körper Ruhe zu gönnen. FOTO: DPA

Peine. Schneller, höher, weiter: Der Alltag führt oft auf den Weg in die totale Erschöpfung. Daher ist es wichtig, auf Körper und Seele zu hören und seine Grenzen zu erkennen. Und das am besten, bevor der Körper sich durch einen Burnout auf „Werkseinstellung“ zurückfährt. Jeder zweite Bundesbürger fühlt sich von Burnout bedroht, weiß der Peiner Arzt und Psychotherapeut Dr. med. Harald Walter.

„Stress beeinflusst die Psyche und den Organismus. Körperliche Reaktionen auf Stress sind sinnvoll und evolutionär begründet. Über die Achse Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenrinde werden spezielle Hormone aktiviert, um dem erhöhten Leistungsbedarf gerecht zu werden“, erklärt Walter. „Adrenalin und Cortisol spielen für die Aktivierung des Herz-Kreislauf-System eine wichtige Rolle. Dies ist eine völlig normale und sinnvolle Körperreaktion. Problematisch wird der Hormoncocktail, wenn er nicht durch Erholungsphasen unterbrochen wird.“


Der Arzt und Psychotherapeut Dr. med. Harald Walter. FOTO: PRIVAT
Der Arzt und Psychotherapeut Dr. med. Harald Walter. FOTO: PRIVAT

Besonders belastend ist es demnach, wenn Stress mit negativen Emotionen wie Ärger, Wut, Angst oder Trauer beladen ist. Eine hohe Stressbelastung und der damit verbundene dauerhaft erhöhte Adrenalinspiegel steigert das Risiko für Blutdruckdruck sowie für Arteriosklerose. Durch das Cortisol steigt das Diabetes Risiko und fördert gleichzeitig den Muskelabbau. Zudem schwächt das Cortisol das Immunsystem und verändert die Stimmungslage hin zu Angst und Depression“, erläutert der Experte.

Ein Burnout zwinge Menschen auf sehr radikale Art, ihr Verhalten und ihre Einstellungen zu überdenken. So wie sie bisher gelebt haben, funktioniert es nicht. Körper und Geist senden bereits Alarmsignale, bevor es zur völligen Erschöpfung kommt.

„Ich empfehle sich zuerst zu reflektieren, sich seiner selbst bewusst zu sein. Hierzu gehört eine sinnvolle Tagesplanung, Vermeidung von Doppelbelastungen und unnötiger ,App-Lenkung’ durch Smartphone und Co.“, so der Psychotherapeut.

Eine gesunde Ernährungsweise, ausreichend Schlaf und Pflege sozialer Kontakte seien ebenfalls wichtig. Das Erlernen von Entspannungsmethoden wie autogenem Training verhelfe zu körperlichen und geistigen Erholungsphasen.

„Als dritte Säule der Stressbekämpfung ist körperliche Bewegung wichtig. Untersuchungen zeigen: Sportlich aktive Menschen reagieren körperlich und seelisch weit weniger negativ auf Stress. Regelmäßige sportliche Betätigung wirkt schlaffördernd und lebensverlängernd. Bewegung und Sport müssen aber auch Spaß machen, anstatt ärztlich verordnet oder mit zu großem Ehrgeiz behaftet zu sein.“  nic

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