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Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine

Themenwelten
08:26 08.07.2021

Das große Peiner Heimatfest, das nun leider auch dieses Jahr ausfallen muss, begeistert mit dem bunten Festplatz Jahr um Jahr Tausende Besucher. Wie viel Arbeit in unzähligen Stunden im Hintergrund geleistet wird, um dieses Vergnügen zu ermöglichen, wissen aber nur wenige.

Einer davon, der sozusagen mit jeder Steckdose, jedem Kabel und jeder Sicherung auf Tuchfühlung ist, ist Veit Höver, und das seit 50 Jahren. Ohne ihn als Platz-Elektriker und seine Kollegen bliebe es auf dem Festplatz Anfang Juli zappenduster und Musik oder die laut tönenden Ansagen der Losverkäufer wären auch nicht weithin zu hören.

„1970 habe ich mich als Elektromeister selbstständig gemacht. Bürgerschaffer Hermann Rademann war damals Chefeinkäufer der Stadtwerke und hat mich mit den Worten ‚Du machst das!‘ zum Elektriker für das Freischießen bestimmt“, erinnert Höver sich an die Anfangszeit, die auch technisch noch ziemlich abenteuerlich war. Es gab keinen befestigten oder gar ordentlich gepflasterten Platz, wie man das heute kennt. Stattdessen waren Schotter, Pfützen und nicht selten tiefe Schlaglöcher prägend für den Schützenplatz.

Es gab auch nur eine fest verlegte Zuleitung von der Trafostation hinter dem Junggesellenzelt – gleichzeitig auch öffentliche Bedürfnisanstalt – zum auf dem Platz stehenden „A-Mast“. Dann wurden auf dem Platz Masten gesetzt und eine Ring-Freileitung gezogen. Für die kleineren Abnehmer auf der damaligen „Kastanien-Allee“, dem Weg zwischen Platz und Stadtpark, wurden Dachlatten mit Isolatoren an die Bäume „gebunden“, daran wurden als Freileitung isolierte Cu-Aderleitungen installiert. Die Anschlusspunkte der Schausteller wurden über Seilklemmen und Isolierband angeschlossen. Die Holz-Anlegeleiter wurde für eventuelle Reparaturen bei Fisch-Brutschi (Hanseaten Imbiss) gelagert. Die Anschlüsse an der Ringleitung wurden mithilfe des Hubwagens der Stadtwerke vorgenommen. Für die Absicherung mussten im Geschäft der Schausteller alte Hausanschlusskästen montiert werden.


Früher brauchte man aber deutlich weniger Strom als heute.“

VEIT HÖVER


„Früher brauchte man aber deutlich weniger Strom als heute. Das größte Geschäft war ein Autoscooter – da braucht heute ein Fischbrötchengeschäft schon mehr Leistung. Bei der Nachbesprechung war klar: So etwas mache ich nicht noch einmal!“, meint Höver.

Bei den Stadtwerken hatte aber ein neuer Prokurist angefangen – Herr Trunk. Gemeinsam wurde nach Lösungen gesucht. Die Hauptversorgung über Freileitung wurde bis zur Neugestaltung des Schützen platzes übernommen. Es wurden Gummikabel in verschiedenen Größen angeschafft und Höver baute aus Schaltschränken Verteilerschränke mit Sicherungen und Abgangsklemmen. „Als der Platz neu gemacht wurde, hat man die Leitungen unterirdisch verlegt. Da gab es dann auch nicht mehr das Schwirren und Summen der Freileitungen. Es wurden auch Leerrohre und Kabelschächte verlegt, bis hin zum Stadtpark, sogar bis zum Pavillon, aber die haben wir nur einmal zum Europaschützenfest gebraucht“, erinnert sich Höver.

Heute gebe es entsprechend des hohen Bedarfs auch weitere Verteilerkästen auf dem Gelände. Immerhin wollen ja auch die Schausteller, die mit ihren Wohnwagen im Stadtpark stehen, Strom haben. Auch hier hat der Fortschritt Einzug gehalten. Früher waren die Schausteller froh über elektrisches Licht und vielleicht einen kleinen Kühlschrank. Heute sind die Wohnwagen mit vielen Geräten bis hin zu Wäschetrockner und Durchlauferhitzer ausgestattet. So ist der Verbrauch der Wohnwagen heute höher als früher der des gesamten Festplatzes.

Doch nicht nur in der Vorbereitung des Festplatzes war Höver immer im Einsatz. Auch wenn mal Not am Mann war, hielt ihn nichts davon ab, Hilfe zu leisten. „Ich erinnere mich an einen Abend, an dem ich im Junggesellen-Gehrock und meine Frau im Abendkleid über den Platz bummelten. Da kam ein Hilferuf eines Karussell-Betreibers. Der Motor war defekt. Ich habe mir dann von einem Schausteller eine Latzhose ausgeliehen, Hemd und Gehrock und Hose ausgezogen und ab in die Arbeitshose. Werkzeug habe ich immer im Auto. Zusammen mit meinem Freund Wolfgang Pawils haben wir den Karussellmotor durchgemessen und ausgebaut. Wolfgang hat ihn dann in seine Firma gebracht und repariert. So konnte das Karussell sich wieder weiterdrehen“, berichtet Höver.

Passiert sei in all den Jahren zum Glück nie etwas Schlimmes, von kleineren Stromausfällen oder eben Notreparaturen abgesehen. Gerne hätte Höver dieses Jahr zum 50. Mal für Strom, Licht und Musik auf dem Festplatz gesorgt, nun muss er darauf noch ein Jahr warten.

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