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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege Nicht blenden lassen
00:00 25.03.2019

Von Angela Stoll


In der Arbeit starren Büromenschen oft stundenlang auf Monitore, in der Freizeit blicken sie auf Smartphones, Tablets und Fernseher. Das führt zu einer starken Belastung der Augen, die Folgen hat: Ermüdungserscheinungen, Kopfschmerzen und Fehlhaltungen bis hin zu trockenen, brennenden Augen (Office-Eye-Syndrom). „Wir gehen davon aus, dass etwa 70 Prozent der Menschen, die an Bildschirmen arbeiten, Beschwerden mit den Augen haben“, sagt der Optometrist Oliver Kolbe von der Ernst-Abbe- Hochschule Jena. Darüber hinaus könnten langfristig noch ganz andere Probleme auftreten: Blaulicht, das Monitore abstrahlen, wirkt sich auf Dauer möglicherweise negativ auf die Gesundheit aus. Allerdings gibt es technische Möglichkeiten, die Strahlen wirkungsvoll zu blockieren.

Blaues Licht kann in hohen Dosen die Netzhaut schädigen

Moderne Flachbildschirme werden mit LEDs hinterleuchtet, die Licht mit einem hohen Anteil im blauen Spektralbereich aussenden. Blaulicht kann in hohen Dosen die Netzhaut akut schädigen: „Es gibt starke LED-Quellen, bei denen die Expositionsgrenzwerte nach kurzer Zeit überschritten werden, wenn man in einem kurzen Abstand, zum Beispiel 20 Zentimetern, direkt hineinblickt“, sagt Ljiljana Udovicic von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. „Bürobeleuchtung, Bildschirme von Computern, Smartphones und Notebooks sind aber weit weg von diesen Werten. Daher erwarten wir nicht, dass es durch solche Geräte zu einer Netzhautschädigung kommt.“


"Mit Holografie- Brillen wird das Sehen am Display endlich deutlich natürlicher werden."

Oliver Kolbe,
Optometrist


Allerdings halten es manche Wissenschaftler für möglich, dass sich die Auswirkungen erst nach vielen Jahren bemerkbar machen: Blaulicht kann Zellschädigungen in der Netzhaut verursachen, die möglicherweise das Risiko für altersbedingte Makuladegeneration (AMD) erhöhen. Bei dieser chronischen Erkrankung, die vor allem bei Menschen ab 60 Jahren auftritt, geht die zentrale Sehschärfe verloren. Solide Belege gibt es dafür bislang jedoch nicht. „In vielen Studien, die vor LEDs warnen, wurden sehr hohe Lichtintensitäten angewandt, weit entfernt von den Lichtintensitäten der Bürobeleuchtung“, erklärt Udovicic. Blaulicht hat aber noch ganz andere Auswirkungen auf den Körper. Es unterbindet die Müdigkeit, indem es die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hemmt. Das hat Einfluss auf den Biorhythmus im Körper.

„Der Blaulichtanteil im Tageslicht ist morgens und am Vormittag hoch und verringert sich im Verlauf des restlichen Tages“, sagt Kolbe, der in der Arbeitsgruppe Bildschirmarbeit im Demografischen Wandel unter der Leitung von Professor Stephan Degle zu dem Thema promoviert.

Ist man nachts künstlichem Blaulicht ausgesetzt, kann das die innere Uhr durcheinanderbringen. Auch Udovicic sieht diesen Zusammenhang belegt: „Eventuell wird dadurch sogar die Entstehung von Krebs begünstigt“, sagt die Physikerin. Ein Mangel an Melatonin führe dazu, dass DNA-Schäden in den Zellen schlechter repariert werden.


"Künstliches Blaulicht begünstigt eventuell Krebs."

Ljiljana Udovicic, Physikerin


Filter helfen bei Regulierung künstlicher Lichtquellen

Daher ist es sinnvoll, den Blaulichtanteil künstlicher Lichtquellen abends und nachts zu senken. „Dazu wird im Moment viel auf den Markt gebracht“, sagt Kolbe. „Die stärkste Reduktion erreicht man mit Blaulichtfiltern an den Geräten selbst.“ So haben einige Monitore einen integrierten Blaulichtfilter, der sich individuell einstellen lässt. Bei manchen Modellen lässt sich der Blaulichtanteil nach Herstellerangaben auf diese Weise um mehr als 70 Prozent senken. Bei neueren Smartphones kann man in der Regel einen Nachtmodus (zum Beispiel unter der Funktion Night Shift bei Apple) aktivieren, der bei Dunkelheit wärmere Farbtöne und damit weniger Blaulicht ausstrahlt.

Daneben gibt es diverse Softwarelösungen für Computerbildschirme. Kolbe nennt hier vor allem das kostenlose Programm f.lux, das die Farbtemperatur an die Tageszeit anpasst. Es ist mit den gängigen Betriebssystemen kompatibel. Zudem gibt es diverse Antiblaulichtfolien und -scheiben, die man auf Smartphone oder Monitor kleben kann.

Ein neuer Trend ist der „Dark Mode“, den inzwischen viele Apps und Programme für Computer- und Smartphone-Bildschirme bieten: Dadurch erscheinen helle Zeichen auf einem dunklen Hintergrund. Das soll Strom sparen und in einer dunklen Umgebung die Augen schonen. Ob die Darstellung aus ergonomischer Sicht aber wirklich Vorteile hat, ist noch unklar.

Für Büroarbeitsplätze wird in der Regel jedenfalls eine helle Umgebung und die gängige Positivdarstellung (dunkle Zeichen auf hellem Grund) empfohlen. „Sie bietet eine bessere Anpassungsmöglichkeit der Augen an die Umgebung und verbessert die Lesbarkeit der Zeichen“, heißt es etwa bei der Verwaltungs- Berufsgenossenschaft VGB).

Andererseits haben Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Augenheilkunde der Universität Tübingen Anhaltspunkte dafür gefunden, dass das Lesen von hellem Text vor schwarzem Hintergrund die Entwicklung von Kurzsichtigkeit bremsen könnte.

Neue Technologien sind in der Erprobung

Um Blaulicht zu blocken, werden zudem spezielle Brillengläser, -aufsätze und sogar Kontaktlinsen angeboten, die Blaulicht reduzieren sollen. Sie seien vor allem dann sinnvoll, wenn man sich auch draußen vor schädlichem Licht schützen wolle, meint Kolbe. Für das Büro hält er nichtoptische Lösungen, also Softwarefilter an den Geräten, für effektiver und einfacher. In den nächsten Jahren werden laut Kolbe neue Technologien auf den Markt kommen. In der Erprobungsphase seien zum Beispiel holografische Displays und Holografie- Brillen, die ein erweitertes 3-D-Sehen möglich machen. „Damit wird das Sehen am Display endlich deutlich natürlicher werden“, meint der Optometrist. Ob sich die Technik aber im Büroalltag durchsetzt, bleibt abzuwarten.


70
Prozent der Menschen, die an Bildschirmen arbeiten, haben Beschwerden mit den Augen.

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