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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege Muskeltraining: Heute so wichtig wie noch nie
00:00 22.03.2019
Die effektivste Möglichkeit, Bewegungsmangel auszugleichen: gezieltes Muskeltraining.

Von Nicole Laskowski

PEINE. Wir leben heute in einer automatisierten und digitalisierten Welt mit all seinen Vor- und Nachteilen. Die Folgen des zunehmenden Bewegungsmangels sind für die Volksgesundheit gravierend und die Kosten für durch Bewegungsmangel verursachte Erkrankungen sehr hoch.

„Unser Alltag hat sich in den vergangenen 100 Jahren komplett verändert. Blickt man zurück in die Anfänge des letzten Jahrhunderts, so lag die durchschnittliche Gehstrecke des Menschen noch bei fast 20 Kilometer am Tag. Zum Vergleich: Heute sind es bei Vielen im Durchschnitt nur noch gut 1000 Meter“, berichtet Trainerin Nedia Böse vom Studio Physiofit.

„Ein gravierender Einschnitt in das Bewegungsverhalten der Menschen vollzog sich ab Ende der 1950er-Jahre in der Wirtschaftswunderzeit. Man ging fortan nicht mehr zu Fuß oder fuhr mit dem Fahrrad zur Arbeit, von nun an nahm man das Auto. Dies führte zu deutlich weniger Alltagsbewegung und innerhalb nur weniger Jahr gehörte der Herzinfarkt zur häufigsten Todesursache in Deutschland, so die VON NICOLE LASKOWSKI Expertin die auch als Physiotherapeutin in der angeschlossenen Praxis arbeitet.


"Mit der Einführung der PCs Anfang der 90er-Jahre wurde der Mangel an Bewegung verschlimmert."

Nedia Böse
Physiofit


„Mit der Einführung der ersten PCs Anfang der 1990er- Jahre wurde das Problem weiter verschlimmert. Innerhalb kürzester Zeit explodierte auch das durchschnittliche Körpergewicht der Deutschen. Nicht, weil man mehr gegessen hat, sondern weil die Bewegung drastisch reduziert wurde und der Mensch somit noch weniger Bewegung hat und mehr vor dem Computer sitzt“, erklärt die Therapeutin.

Kinder und Jugendliche seien hier besonders gefährdet und würden oftmals zu viel Zeit vor Computer und Fernseher verbringen. Sport und Bewegung sollte daher ein fester Bestandteil des Wochenplans sein, um langfristigen Folgen entgegen zu steuern. Auch Ärzte und Krankenkassen würden ein deutliches Mehr an Bewegung empfehlen. Wer glaube, Bewegungsmangel mit einem 20-minütigen Spaziergang mit dem Hund oder mit Gartenarbeit ausgleichen zu können, der irre. „Dies ist häufig nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und reicht nicht aus. Auch ist nicht jede Form der Bewegung förderlich. Wer tagsüber viel sitzt, der entlastet beispielsweise seinen Rücken nicht, wenn man sich nach getaner Arbeit auf das Fahrrad setzt“, weiß Böse. Die effektivste Möglichkeit, Bewegungsmangel auszugleichen, ist aus Sicht der Expertin gezieltes Muskeltraining. „Es gibt keine andere Sportart, in der so zeitoptimiert und gleichzeitig individuell trainiert werden kann“, ist die Physiotherapeutin überzeugt.


Untersuchung bei Schulter-Nackenverspannungen
Untersuchung bei Schulter-Nackenverspannungen

Von Nicole Laskowski

PEINE. Uwe Hübner ist Physiotherapeut und Osteopath im Therapie-Centrum-West in Peine und ist Ansprechpartner für die sportmedizinische Beratung im Physiofit. Im Gespräch verrät der Therapeut die wichtigsten Tipps bei Muskelverspannungen.

PAZ: Ein langer Tag am PC oder im Auto geht vorbei, der Nacken schmerzt, die Muskeln fühlen sich verhärtet an und Kopfschmerzen breiten sich aus. Warum verspannt sich die Muskulatur eigentlich?

Uwe Hübner: Die Ursachen sind vielfältig, meist jedoch auf einseitige Belastungen und monotone Körperhaltung zurückzuführen. Langes Sitzen, vor allem an ergonomisch nicht eingerichteten Arbeitsplätzen, ist eine häufige Ursache. Auch können hierdurch muskuläre Dysbalancen entstehen.

PAZ: Was passiert mit der Muskulatur in diesem Fall?

Uwe Hübner: Dauerhafte VON NICOLE LASKOWSKI Fehlhaltungen führen zu einem erhöhten Muskeltonus, also einer erhöhten Spannung im Muskelgewebe. Es entsteht durch den erhöhten Umgebungsdruck auf das Kapillarsystem eine Mangeldurchblutung der Muskelfasern. Vergleichbar ist das mit einem Gartenschlauch, auf den man sich stellt und so die Wasserzufuhr unterbricht.

Uwe Hübner
Uwe Hübner

PAZ: Welche Folgen hat die Mangeldurchblutung?

Uwe Hübner: Ein Muskel ist gesund, wenn er ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird, was über das Blut geschieht. Muskelgewebe ist sehr stark durchblutet und vergleichbar mit einem Schwamm, der sich mit Wasser vollsaugt und sich wieder auspressen lässt. Genau dieser Prozess ist bei Muskelverspannungen gestört. PAZ: Wie kann man Muskelverspannungen aktiv vorbeugen? Uwe Hübner: Durch viel Bewegung. Monotonie und Bewegungsmangel bringen Verkürzungen der Muskeln mit sich. Die Beweglichkeit wird eingeschränkt, und man wird immer unbeweglicher. Ein Prozess, der mit zunehmendem Alter eine höhere Aufmerksamkeit bekommen sollte.

PAZ: Und wenn akute Verspannungen bereits vorhanden sind?

Uwe Hübner: In der Regel lindert die Beschwerden alles, was die Durchblutung im Muskel fördert und somit den Stoffwechsel anregt. Das können ein erwärmtes Körnerkissen, eine Fangopackung oder auch Massagen sein. Aktive Maßnahmen, wie leichte Dehnungen der betroffenen Muskulatur oder ein moderates Muskeltraining mit leichten Gewichten und hoher Wiederholungszahl fördert die Kapillarisierung.

PAZ: Gib es noch andere mögliche Ursachen für Nackenverspannungen?

Uwe Hübner: Differenzdiagnostisch können auch Fehlstellungen des Kiefergelenks, orthopädische Probleme wie Beckenschiefstände oder Skoliosen, aber auch internistische Probleme ursächlich sein. Dies sollte im Einzelfall genau abgeklärt werden.

Fünf Tipps bei Verspannungen

1. Erste Hilfe: Wärme & Massagen.

2. Dehnen Sie die betroffene Muskulatur.

3. Raus aus der Monotonie – Bewegung entspannt.

4. Achten Sie auf Ihre Haltung.

5. Bei wiederkehrenden Verspannungen: Erkennen Sie die Ursache und beheben Sie diese.


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