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Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine

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01:05 06.03.2021
Foto: Rudi Karliczek

Dieser Fleck hat alles, was das Herz begehrt. Eine tolle Aussicht, die Nähe zur Natur und das alles vor der Haustür – es sind nur ein paar Steinwürfe bis zum Eigenheim. Rainer und Anke Krause stehen auf dem kleinen Rastplatz am Burgberg, genießen den Blick ins Tal und nehmen ein paar tiefe Züge der frischen Luft. „Das ist Erholung pur.“ Auf dem Arm macht es sich Gina gemütlich, die drei Monate junge Bernhardinerhündin, die bei den Ausflügen natürlich dabei ist.

Salzgitter hat viele schöne Ecken, das weiß der Vorsitzende der Bürgerstiftung und kaufmännische Geschäfts führer der WEVG, aber wenn er einen Lieblingsplatz wählen müsste, dann liegt der am Hang in Lichtenberg. Vielleicht auch deshalb, weil der 55-jährige Diplom-Kaufmann so oft hier oben im Wald spaziert oder wandert. Salzgitter sei eine Industriestadt, aber viel grüner und schöner, als es die meisten Menschen wüssten oder ahnten.

Rainer Krause mit der Verwaltungsspitze der Stadt Salzgitter beim Aktionstag Brücken bauen im WEVG-Kochstudio. Foto: Rudi Karliczek
Rainer Krause mit der Verwaltungsspitze der Stadt Salzgitter beim Aktionstag Brücken bauen im WEVG-Kochstudio. Foto: Rudi Karliczek

Rainer Krause stammt nicht aus der Stadt, aber er ist schon lange angekommen, wohnt seit knapp zehn Jahren in Lichtenberg und hat den Umzug nicht bereut. Er schätzt Salzgitter und seine Menschen, mag die Hilfsbereitschaft und das Miteinander, das er kennenlernen durfte.

Der WEVG-Chef ist ein Ostniedersachse, wurde in Braunschweig geboren und wuchs in Evessen im Landkreis Wolfenbüttel auf. Nach Realschule und einer Lehre zum Bankkaufmann legte er mit Erfolg das Abitur an einer Abendschule ab. Es folgte das BWL-Studium in Göttingen, danach ging es für ihn auf der Leiter nach oben. Er heuerte bei einer mittelständigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Düsseldorf an und war fünf Jahre deutschlandweit unterwegs. Nebenher legte er die Examen als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ab. Was Zahlen und Bilanzen angeht, macht ihm so schnell keiner was vor.

Es folgte der Wechsel nach Hannover zur PricewaterhouseCoopers GmbH, bei der er in die Energiewirtschaft eintauchte und ein 20-köpfiges Team führte. Zu dieser Zeit lernte er auch seine spätere Frau Anke kennen, die zu dieser Zeit bei einem großen Energieversorger als Teamleiterin in der Buchhaltung tätig war. Ein Jahr lang entsendete ihn sein Arbeitgeber zum Schwesterunternehmen in Moskau. „Eine spannende Zeit und ein echtes Abenteuer“, erinnert sich Rainer Krause an verstopfte Straßen, teure Wohnungen und ultralange Arbeitstage.

Rainer Krause (rechts) mit Vorstandskollege Christian Heinrich und Musiker Isaak Guderian beim Stadtfrühstück der Bürgerstiftung auf dem Schlosshof in Salder. Foto: Rudi Karliczek
Rainer Krause (rechts) mit Vorstandskollege Christian Heinrich und Musiker Isaak Guderian beim Stadtfrühstück der Bürgerstiftung auf dem Schlosshof in Salder. Foto: Rudi Karliczek

Weil ihn ein Job im operativen Geschäft reizte, kam ihm der Tipp eines Bekannten gelegen. Die WEVG in Salzgitter suchte einen kaufmännischen Leiter. Er rief an, und die Stelle entpuppte sich als Volltreffer. Für beide Seiten. Denn drei Jahre später übernahm Rainer Krause die kaufmännische Geschäftsführung bei dem kommunalen Energieversorger.

Spätestens da war klar, dass Salzgitter die neue Heimat der Familie Krause würde. Als WEVG-Chef wollte Rainer Krause für Kunden und Geschäftspartner „sichtbar und ansprechbar“ sein. Denn von außen lässt sich kaum ein Gefühl für die Stadt und ihre Bewohner entwickeln, auch der Aufbau eines Netzwerkes ist nicht möglich, wenn jemand abends nicht vor Ort ist. So übernahm Rainer Krause nicht nur den Job von Detlef Engster an der WEVG-Spitze, sondern kaufte auch dessen Haus in Lichtenberg.

Oliver Fuchs, Rainer Krause, Christiane Voss, Björn Lippold und Karl-Heinz Lippold beim Stiftungslauf am Salzgittersee. Foto: Rudi Karliczek
Oliver Fuchs, Rainer Krause, Christiane Voss, Björn Lippold und Karl-Heinz Lippold beim Stiftungslauf am Salzgittersee. Foto: Rudi Karliczek

„Wir fühlen uns sehr wohl“, betont der Hundeliebhaber und Dänemarkurlauber, der sich nach eigenen Worten im Lauf der Jahre zu einem versierten Heimwerker entwickelt hat und sehr gerne im Garten tätig ist. Wenn er Zeit dafür hat, denn für den Geschäftsführer hat der Arbeitstag meist mehr als acht Stunden. Hinzu kommen ehrenamtliche Aufgaben. Rainer Krause ist Vorsitzender im Lenkungsausschuss für Energiewirtschaft und -politik der Landesgruppe Norddeutschland im Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Dort kümmert er sich um Stellungnahmen zu energiewirtschaftlichen Themen und einen Erfahrungsaustausch.

Bekannter ist seine Arbeit an der Spitze der Bürgerstiftung Salzgitter, die er zunächst als Teilnehmer kennenlernte. Die WEVG ist ein aktiver Posten bei der Aktion Brücken bauen, er selber marschierte mit bei den Naturbewegt-Wanderungen oder war aktiv beim Stiftungslauf. Sein Interesse an der Bürgerstiftung wuchs, Mitgründer Dr. Hans Georg Kühn holte ihn 2015 in den Vorstand, 2019 übernahm er nach dem überraschenden Tod Rolf Schimas den Vorsitz. Der Gedanke an den plötzlichen Abschied nimmt den WEVG-Mann noch immer mit, es war ein schwerer Verlust für die Bürgerstiftung. „Rolf Schima hatte den Hauptteil der Stiftungsarbeit organisiert und abgewickelt“, erinnert sich Rainer Krause, der die Rolle übernahm und sich mit seinen Vorstandskollegen Christian Heinrich, Roland Staab und Wolfram Skorczyk die Arbeit teilt. „Das ist eine sehr erfüllende Aufgabe und macht Spaß“, sagt Rainer Krause, der sich freut, mit seinem Ehrenamt der Stadt etwas von dem zurückgeben zu können, was er selber erfahren hat: Mitmenschlichkeit und Vertrauen. Salzgitter hat in seinen Augen nicht nur landschaftlich viel zu bieten, sondern auch wirtschaftlich. Die Zukunft sei vielversprechend, wenn er an die großen Projekte zur Elektromobilität oder den Wasserstoff-Campus denkt. Ihm ist nicht bange, im Gegenteil. Und auch wenn er noch nicht daran denkt, aber sollte die Gesundheit mitspielen, dann würden seine Frau und er trotz aller Treppen gerne alt werden in dem Haus in Lichtenberg – nur ein paar Steinwürfe entfernt von seinem Lieblingsplatz.
    

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