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Home Sonderthemen Sonstiges Offene Fenster sind eine Einladung 
16:49 19.11.2018
Aufhebeln mit der Brechstange: Viele Fenster lassen sich mit einfachen Werkzeugen öffnen. FOTO: HENNING KAISER/DPA

Von Katja Fischer

Wann war im Haus das letzte Mal ein Fenster länger auf, ohne dass jemand im Raum war? Jetzt etwa? Das passiert jedem mal, ist aber für einen Einbrecher auf Erkundungstour die Gelegenheit – egal ob jemand da oder das Haus leer ist. Es lohnt sich, nachzurüsten. Zu den beliebtesten Einstiegswegen ins Haus für Einbrecher zählen die Fenster. Oftmals stehen die Fenster schon offen, sind gekippt und haben dazu noch Aufstiegshilfen wie Mülltonnen oder Leitern direkt davor stehen. Für Täter ist das die perfekte Einladung.

Daher lautet der wichtigste Rat von Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention in Stuttgart, zur besseren Sicherung von Wohnraum gegen Einbrecher auch: „Verschließen Sie Fenster, Balkon- und Terrassentüren, auch wenn Sie nur kurz weggehen. Aber schließen Sie tagsüber nicht die Rollläden, denn das signalisiert den Dieben geradezu, dass niemand im Haus ist.“


Es kann bereits helfen, über Erlebtes zu sprechen und so das Geschehene zu verarbeiten.

Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Opferhilfevereins Weißer Ring


Aber ebenso wichtig wie diese Verhaltensregeln ist die technische Sicherung. „Die üblichen Fensterkonstruktionen bieten keinen Schutz“, sagt Schmidt. „Sie lassen sich mit einfachen Werkzeugen öffnen.“ Daher kommen im Neubau heute oftmals schon direkt einbruchhemmende Fenster und Fenstertüren zum Einsatz. Sie lassen sich aber auch nachrüsten.

Einbruchhemmende Fenster werden in sieben Widerstandsklassen von RC 1 N bis RC 6 eingeteilt, wobei letztere die höchste ist. Uneingeschränkt für den Privatgebrauch empfehlenswert sind aus Sicht der Initiative K-Einbruch von Polizei und Wirtschaft Fenster ab Klasse RC 2. Gleichwertig sind Fenster, die nach der bis September 2011 gültigen Vornorm geprüft wurden, der DIN V ENV 1627. Solche Modelle haben zusätzlich mehrere Pilzkopfzapfen am innen liegenden Beschlag, die beim Schließen in mit dem Rahmen verschraubte Stahlschließbleche greifen.

Will man Fenster weiterhin gekippt offen lassen, können auch Gitter nachgerüstet werden, am besten mit Widerstandsklasse RC 2. Für Kellerfenster sind fest stehende Gitter, abschließbare Fenstergitter oder eine vorgelegte Riegelstange gute Lösungen.

So wie Viktoria geht es vielen. Ein Einbruch in die eigene Wohnung ist ein Schock. Nicht nur, weil wertvolle Dinge gestohlen werden. Denn neben dem Verlust von materiellen Werten müssen Einbruchsopfer vor allem verkraften, dass jemand in ihre Privatsphäre eingedrungen ist. Ihr Zuhause, der intime Rückzugsraum, in dem sie sich immer geborgen fühlten, erscheint ihnen plötzlich nicht mehr sicher.

„Das Grundvertrauen ist gestört“, sagt Gerd Reimann von der Deutschen Psychologen Akademie in Berlin. „Das ist eine starke psychologische Belastung, die sich in verschiedenen Symptomen äußern kann: Ängste, Nervosität, Schlafstörungen, Albträume bis hin zu psychosomatischen Störungen wie Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Problemen.“

15 Prozent der Opfer leiden unter Ängsten

15 bis 20 Prozent der Einbruchsopfer leiden langfristig unter Ängsten und psychosomatischen Belastungen, erläutert der Weiße Ring, ein Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten in Mainz.

Viele Opfer stellen sich immer wieder die quälende Frage, ob ihnen so etwas wieder passieren könnte. Ob sie vielleicht selbst durch Nachlässigkeit die Diebe angelockt haben? Auch Ekel spielt eine Rolle: Was hat der Eindringling angefasst? In welchen Räumen hielt er sich auf? „Etwa 25 Prozent aller Einbruchsopfer leiden so stark, dass sie aus ihrer Wohnung ausziehen wollen. 10 Prozent tun das auch wirklich“, sagt Reimann.

Damit sich Ängste und Traumata nicht verfestigen, ist es wichtig, Betroffene unmittelbar nach dem Einbruch zu unterstützen. „Es kann bereits helfen, über Erlebtes zu sprechen und so das Geschehene zu verarbeiten“, sagt etwa Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings. Es ist also sinnvoll, sich aktiv Beistand zu holen.

Allerdings sollten sich Freunde und Helfer mit eigenen Kommentaren und Bewertungen der Situation zurückhalten. „Das könnte die Selbstvorwürfe und Schuldgefühle der Opfer verstärken“, warnt Reimann. Er beobachtet, dass auch Aussagen bei polizeilichen Ermittlungen und Gespräche mit Versicherungen für Betroffene eine große psychologische Belastung darstellen können: „Notwendige Fragen nach den Tatumständen, nach Sicherheitslücken und Schutzvorrichtungen werden oft als Schuldzuweisung interpretiert. Danach fühlen sich die Opfer noch schlechter.“

Wenn Ängste und andere psychische Symptome nicht nach einigen Tagen oder innerhalb der folgenden zwei bis drei Wochen zurückgehen, sollten sich Betroffene psychologische Hilfe suchen. „Etwa ein Drittel der Opfer kommt allein nicht zurecht“, sagt Reimann. „Viele Menschen neigen dazu, unangenehme Dinge zu vermeiden. Das ist zunächst auch in Ordnung.“ Verfestigt sich aber die Vermeidungsstrategie, sei Hilfe notwendig. Reimann betont: „Ein Einbruchsopfer, das aus Angst in eine andere Wohnung zieht, wird sich dort nicht automatisch sicherer fühlen. Im Gegenteil: Die Ängste werden nicht weniger, sondern stärker.“

Stattdessen kommt es darauf an, Gedanken und Handeln der Betroffenen auf konkrete Pläne und Veränderungen zu richten. „Es hilft, sich darüber zu informieren, was man selbst tun kann, um künftigen Einbrüchen bestmöglich vorzubeugen“, erklärt Biwer. Etwa, mit welchen technischen Mitteln wie Türsicherungen, Alarmanlage oder Rollläden man es Einbrechern so schwierig wie möglich machen kann. Das gibt Einbruchsopfern oft das Gefühl, dass sie aktiv dazu beitragen können, weitere Einbrüche zu verhindern.

„Was konkret getan werden muss, lässt sich am besten herausfinden, wenn man systematisch das ganze Haus durchgeht“, rät Helmut Rieche, Vorsitzender der Initiative für aktiven Einbruchschutz „Nicht bei mir!“. Wichtig ist, alle potenziellen Einstiegswege zu identifizieren.

Wie umfangreich die Sicherungsmaßnahmen dann ausfallen, hängt vom persönlichen Sicherheitsgefühl und den lokalen Bedingungen ab. „Wichtig ist, alle Einstiegswege gleichwertig abzusichern“, rät Rieche. „Es genügt nicht, die Haustür mit Schlössern und Ketten zu versehen, wenn andererseits die Fenster leicht aufzuhebeln sind. Die Einbrecher kennen die üblichen Schwachstellen ganz genau.“ Den Einbau der Technik übernimmt am besten ein Fachbetrieb. Dann ist man auch gegenüber der Hausratversicherung auf der sicheren Seite.

Mitunter neigen Einbruchsopfer dazu, ihre Wohnung zu einer Festung zu machen und sie kaum noch zu verlassen. Das hilft aber nicht bei der Verarbeitung des Geschehens. Besser ist es, soziale Beziehungen zu pflegen, Kontakt zu Freunden und Verwandten zu halten. „Das sorgt für ein höheres Sicherheitsgefühl“, betont Bianca Biwer von der Opferberatung.

Es gibt ganz große Fehler, die Betroffene machen können – nämlich kein sicherheitsbewusstes Verhalten an den Tag zu legen. Wenn man etwa Hinweise auf Abwesenheit gibt wie überquellende Briefkästen oder die tagsüber verschlossenen Rollläden. Das sind letztlich alles Signale und Einladungen. Auch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter oder in den sozialen Netzwerken, dass man im Urlaub ist, zählt dazu. Oder der Abwesenheitsassistent des E-Mail-Programms und das Kofferschild. Bei Letzterem gilt der Tipp, dass man die Adresse verdeckt am Gepäckstück anbringen sollte, sodass Umstehende am Flughafen nicht lesen können: Der Harald Schmidt ist im Urlaub.

Bewegungsmelder, Kameras und eine Außensirene können helfen, Einbrecher abzuschrecken. Sie sollten aber gut funktionieren – und selbst ebenfalls sicher sein. FOTO: OTS
Bewegungsmelder, Kameras und eine Außensirene können helfen, Einbrecher abzuschrecken. Sie sollten aber gut funktionieren – und selbst ebenfalls sicher sein. FOTO: OTS

Bewegungsmelder, Öffnungssensoren, Kameras und eine Außensirene – damit wollen sich Mieter und Wohnungseigentümer sicherer in ihren eigenen vier Wänden fühlen. Beim Experten kann so eine Installation und vorherige Beratung schon mal schnell bis zu 5000 Euro kosten. Doch es gibt inzwischen auch viele Angebote im Bereich der Doit- yourself-Alarmanlagen – mit deutlich niedrigerem Preis: Die von der Stiftung Warentest überprüften Produkte zum Selbsteinbau für ein Einfamilienhaus lagen zwischen 417 und 1244 Euro.

Wichtig ist, sich zunächst intensiv Gedanken darüber zu machen, an welchem Ort die Anlage installiert wird. Wo und wie würde der Einbrecher versuchen, in die Wohnung einzudringen? Wo sind die Schwachstellen? Türen und Fenster sollten überprüft werden. Wo ist ein Bewegungsmelder sinnvoll?

Eins sei schon mal vorab verraten: Wirklich gut schnitt keine der getesteten Anlagen ab. Auch der Testsieger, die Abus-Smartvest-Funk-Alarmanlage für insgesamt 886 Euro, kam nicht über „befriedigend“ (3,1) hinaus. Alle Einbruchsversuche scheiterten zwar, die Anlage reagierte zuverlässig. Doch: Wenn der Einbrecher einmal im Haus ist, dann kann er die Anlage einfach von der Wand nehmen und abschalten. Daher sollte der Käufer die Anlage gut versteckt einbauen und obendrein mit Bewegungsmeldern sichern.

Für die Überprüfung versetzten sich die Experten der Stiftung Warentest in die Lage von Einbrechern und versuchten, die Alarmanlage auszutricksen oder zu sabotieren. Das gelang im Test sehr einfach bei dem Modell Protect 9661 der Marke Olympia für günstige 417 Euro. Die Anlage zeigte gleich mehrere Sicherheitslücken. Die Außensirene und die Bewegungsmelder ließen sich zudem einfach entfernen, ohne dabei den Alarm auszulösen. Auch Kabel konnten gezogen sowie die Batterien entfernt werden – entsprechend vernichtend fiel das Urteil der Tester aus: „mangelhaft“ (5,0). Stecker ziehen, dann ist die Anlage tot – grundsätzlich keine sichere Lösung, befanden die Experten, dennoch trat dieses Problem im Test immer wieder auf. Überprüft wurde auch ein Produkt, das nicht nur Alarm auslösen kann, sondern gleich das ganze Zuhause steuert.

Eine grundlegende Entscheidung müssen Käufer beim Kauf fällen. Soll die Sirene laut heulen und damit den Einbrecher verjagen oder soll ein stiller Alarm ausgelöst werden, der dann einen Hinweis aufs Smartphone sendet?

Auf test.de gibt es den kompletten Bericht (kostenpflichtig).

Zukünftige Schlüsselrolle: Alexa, die Assistenzsoftware von Amazon, soll zukünftig nicht nur das Zuhause vernetzen. Fernseher anschalten, Licht ausmachen, Rollläden runterfahren oder Musik abspielen – Alexa kann das alles schon jetzt auf Befehl. Sie soll künftig auch eine Alarmanlage haben.

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