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Themenwelten
07:38 16.04.2018
Gemeinsam wollen Prof Dr.-Ing. Gert Bikker, Prof. Dr.-Ing. Diederich Wermser, Gunter Eckhardt und Dipl.-Biol. Kai Hillebrecht die Digitalisierung im Peiner Land voranbringen.

Unternehmen sollten für die Zertifizierung keine Zeit verlieren

Im November 2015 wurde die neue Revision der Norm ISO 9001 in Deutschland veröffentlicht. Die zertifizierten Unternehmen haben für die Umstellung auf die neue Norm eine dreijährige Übergangsfrist, die am 15. September 2015 begonnen hat und am 14. September dieses Jahres 2018 endet. Die Zertifikate, die nach der ISO 9001:2008 ausgestellt wurden, besitzen noch eine Gültigkeit von drei Jahren, unter der Voraussetzung, dass innerhalb der Übergangsfrist ein Upgrade-Audit auf die ISO 9001:2015 erfolgt.

Einige wichtige Änderungen/Erweiterungen dabei im Überblick:

- Analyse der interessierten Parteien
- Berücksichtigung von Chancen und Risiken
- Umgang mit Wissen der Organisation
- Bestimmen und Berücksichtigen der internen und externen Parteien

Strukturwandel und digitale Transformation bringen vor allem kleine und mittlere Unternehmen in Wettbewerbsdruck. Denn ihnen fehlt die Kapazität, um sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Im Projekt „GrowIn 4.0“ entwickeln 15 Partner aus Belgien, Dänemark, Deutschland, England und den Niederlanden für diese Unternehmen innovative Methoden, Tools und Konzepte, die die Entwicklungen erleichtern. Im engen Zusammenspiel mit der Ostfalia Hochschule will auch die wito gmbh die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit die Unternehmen vor Ort erhöhen. Im Interview mit Redakteurin Melanie Stallmann sprechen wito-Geschäftsführer Gunter Eckhardt, Prof. Dr.-Ing. Diederich Wermser, Professor Dr.-Ing. Gert Bikker und Dipl.-Biol. Kai Hillebrecht von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften über die enormen Chancen, die für die Betriebe durch die Zusammenarbeit entstehen.

Was genau beinhaltet das Projekt GrowIn 4.0 und welcher Nutzen besteht daraus für die Unternehmen?

Bikker: Wir wollen regionale Klein- und Mittelstandsunternehmen gezielt auf dem Weg in die Digitalisierung begleiten. Zum einen untersuchen wir dabei die Auswirkungen der Digitalisierung auf bestehende Unternehmenskonzepte in der Strategie- und Geschäftsmodellentwicklung. Zum anderen soll über das Projekt der Technologietransfer zwischen den Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Wirtschaft gefördert werden – und zwar in allen Unternehmensbereichen.

Was bedeutet das im Detail?

Wermser: Heute verfügt jedes Unternehmen – egal, welcher Größe – über eine Unternehmenssoftware, die beispielsweise die Personalverwaltung, die Buchhaltung, die Lagerverwaltung und vieles mehr umfasst. Darüber hinaus gibt es in der Fertigung Tools, mit denen die Maschinen bedient und gesteuert werden. Dazwischen aber ist eine Lücke, viele Aufgaben werden noch aufwendig per Hand erledigt. Unser Ziel ist es, die gesamte Kette durchgehend zu digitalisieren. Die Schlagkraft von Amazon beispielsweise liegt auch darin, dass von ganz oben, wo man etwas bestellt, bis ganz unten, wo das letzte Auto überwacht wird, jeder Schritt digitalisiert ist. Es nicht keine einzige Stufe, auf der ein Mensch noch Papier ausfüllt oder ausliest.

Aber lässt sich das, was bei den Großen zur Anwendung kommt, denn auch im Kleinen realisieren?

Bikker: Natürlich. Wobei natürlich jedes Unternehmen selbst über den Datentransfer entscheidet. Wir können sie beraten und unterstützen, wie man diese Daten überhaupt und vor allem finanzierbar gewinnt und nutzen kann. Denn technisch möglich ist alles. Umso wichtiger ist daher die Beratung. Denn den Betrieben ist es in der Prozesskette meist wichtig, viele Informationen zu sammeln. Aber es möchte niemand nach außen kommunizieren, warum er seine Produkte in Blitzgeschwindigkeit produziert. Als sehr praktisch angesehen wird aber beispielsweise, wenn ein Zulieferer automatisch aus der Produktionskette heraus erfährt, wann und in welchem Umfang welches Material benötigt wird.

Wo genau sehen Sie nach den ersten Begegnungen den größten Beratungsbedarf bei den Unternehmen, die Sie bislang im Landkreis Peine besucht haben?

Wermser: Die Interessen und Fragen rund um die Digitalisierung und Industrie 4.0 waren genauso unterschiedlichen wie die Branchen, in denen die Unternehmen tätig sind. In erster Linie ging es aber um Möglichkeiten im Werkstoff- und Fertigungsbereich und entsprechenden Personalbedarf.

Wie sieht im Anschluss die konkrete Zusammenarbeit zwischen Betrieb und Hochschule aus?

Hillebrecht: Auf Wunsch ermitteln wir direkt vor Ort die Bedarfe und prüfen, wie wir sie in Form von Projekten ausfüllen können. Dabei arbeiten wir mit individuell abgestimmten, zielgerichteten Lösungen rund um die Digitalisierung.

Wermser: Vorteil für die Unternehmen ist, dass wir seitens der Hochschule technische Neuerungen kennen und sie entsprechend mit den Bedarfen und Wünschen der Unternehmen verknüpfen oder sogar pushen können.

Welche Rolle übernimmt die wito gmbh in diesem Zusammenspiel?

Eckhardt: Wir kennen die Unternehmen, stellen die Kontakte her und veranstalten Workshops zu dem Thema. Die Experten der Ostfalia nehmen dann zu verschiedenen Themen Stellung und machen die Unternehmen aufmerksam auf die Möglichkeiten, die ihnen die Digitalisierung bietet.

Wie offen sind denn die KMUs bislang für die neuen Ideen?

Wermser: Für viele ist das Thema völliges Neuland, da sich die Digitalisierung lange Zeit in Größenordnungen abspielte, die für KMUs gar nicht bezahlbar waren. Inzwischen sind die technologischen Entwicklungen aber so weit, dass Digitalisierungen durch offene Standards wesentlich flexibler und mit weitaus weniger Kostenaufwand möglich sind. Zudem haben wir im Vergleich zu anderen europäischen Nationen den Luxus, dass Digitalisierungsvorhaben in den Unternehmen durch verschiedene Fördertöpfe erleichtert werden. Und genau das sollten die Betriebe nutzen.

Eckhardt: Denn wer sich der Digitalisierung verweigert, wird irgendwann vom Markt verschwinden. Aber auch die kleinsten Betriebe im Peiner Land sind meist bereits mit moderner Technik ausgestattet, sodass sie grundsätzlich digitalisierungsaffin sind. Viele haben allerdings Hemmungen mit Hochschulen in Kontakt zu treten, um von Forschungsaufträgen oder Projekten zu profitieren. Doch genau das wollen wir ändern.


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