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Home Sonderthemen Haus&Garten Erbe annehmen oder ausschlagen? Die Rechte des „vorläufigen“ Erben
11:11 07.03.2019

Folgender Fall kommt immer wieder vor:

Matthias M. erfährt vom Nachlassgericht, dass er Erbe seines Patenonkels geworden ist. Er hat allerdings gehört, dass dieser zuletzt in abenteuerlichen finanziellen Verhältnissen lebte. Gerüchteweise gibt es aber erhebliches Vermögen in der Schweiz. Matthias M. weiß nun nicht, ob er das Erbe annehmen oder ausschlagen soll.

In einem solchen Fall ist es ratsam, dass sich der Erbe zunächst einen Überblick zum Nachlassbestand verschafft, insbesondere indem er die Wohnung des Erblassers sichtet, um beispielsweise Kontounterlagen einzusehen. Falls er keinen Schlüssel hat, kann er einen Schlüsseldienst beauftragen und sich mit dem Schreiben des Nachlassgerichts legitimieren, mit dem er über das Erbrecht informiert wurde. (Dies gilt allerdings nicht, falls das Nachlassgericht die Wohnung versiegelt haben sollte, in diesem Fall ist Zutritt nur mit Zustimmung des Nachlassgerichts möglich.) Eile ist dabei geboten, weil die Ausschlagungsfrist nur sechs Wochen beträgt. Eine Ausnahme gilt, falls sich der Erbe bei Bekanntgabe des Testamentes im Ausland befand, in diesem Fall gilt eine Frist von sechs Monaten.

Meist lässt sich nach einer solchen Sichtung besser überblicken, wie es um den Nachlass steht. Besteht dennoch noch eine Unsicherheit, so kann der Erbe die Erbschaft annehmen und später, falls sich Überschuldung herausstellt, durch Nachlassinsolvenz seine Haftung auf den übernommenen Nachlass beschränken, er haftet dann also nicht mit eigenem Geld. Allerdings drohen ihm Scherereien und Kosten.

Höhere Erbschaften kommen in den alten Bundesländern fast dreimal so häufig wie in den neuen Bundesländern vor. Der Anteil der Erbfälle mit mehr als 100.000 Euro fiel im Bundesland Hessen mit 24 Prozent am höchsten aus, gefolgt von Bayern mit 22 Prozent und Hamburg mit 21 Prozent. Erbschaften in solcher Höhe gab es in Sachsen-Anhalt lediglich in 5 Prozent, in Sachsen in 6 Prozent und in Thüringen in 7 Prozent aller Erbfälle. Die Schätzungen für das Gesamtvolumen aller jährlichen Schenkungen und Erbschaften in Deutschland belaufen sich zwischen 200 und 400 Milliarden Euro. Quelle: Creditreform 01/2018

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