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Home Sonderthemen Rund ums Auto Den Einäugigen und Blendern auf der Spur
14:39 05.10.2020
Laden zum Licht-Test: Gerd Kunze, Obermeister der KfZ-Innung Salzgitter, und Martin Hilgert, Beisitzer im Vorstand. Foto: Rudolf Karliczek

Salzgitter. Die dunkle Jahreszeit beginnt, da wird es um so wichtiger, dass die Scheinwerfer am Auto optimal eingestellt sind. Die KfZ-Innung richtet deshalb wieder den Lichttest aus und lädt die Fahrer allerorten in die Werkstätten ein. Auch Salzgitter ist mit dabei.

„Licht, Sicht und Sicherheit!“ So lautet das Motto in diesem Herbst, in dem auch Salzgitters Obermeister Gerd Kunze im Namen der KfZ-Innung wieder zur Teilnahme aufruft. Die Mängelquote sei beachtlich, verweist er auf die Resultate in den vergangenen Jahren. Wer die Augen aufmacht, bemerke jetzt schon die vielen „einäugigen Fahrzeuge“ auf den Straßen und oder die blendenden Strahler. Doch mit dem einfachen Korrigieren ist es heutzutage nicht so einfach. Matrix-LED-Anlagen und andere komplexe Systeme hätten etliche Sensoren, die sich nicht per Hand einstellen lassen. „Im Oktober ist der Lichttest kostenlos“, betont Gerd Kunze. Das KfZ-Gewerbe schenke den Kunden mit dieser Aktion einen geldwerten Vorteil in Höhe eines dreistelligen Millionenbeitrages. Sollte eine Korrektur nötig sein, muss der Autobesitzer diese aber bezahlen.

Wie in den Vorjahren gibt es auch 2020 wieder eine Plakette für die Licht-Test-Aktion, die Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in Berlin vorstellte gemeinsam mit Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), und Rainer Genilke, Vizepräsident der Deutschen Verkehrswacht (DVW). Damit gab er das Startsignal. Mit dem Dreiklang „Licht, Sicht und Sicherheit!“ rufen das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, das Kfz-Gewerbe und die DVW alle Autofahrer dazu auf, ihre Fahrzeugbeleuchtung in den Kfz-Werkstätten überprüfen zu lassen.

Andreas Scheuer ist erneut Schirmherr der Aktion: „Richtiges Licht und gute Sicht können im Straßenverkehr Leben retten. Die Aktion Licht-Test macht unsere Straßen seit mehr als 60 Jahren sicherer. Im Oktober können Autofahrer kostenlos überprüfen lassen, ob die Beleuchtung optimal funktioniert und die Scheinwerfer richtig eingestellt sind. Davon profitieren alle Verkehrsteilnehmer.“

Funktioniert die Beleuchtung einwandfrei, gibt es die Plakette, die der Polizei bei Kontrollen die geprüfte Anlage bereits auf der Windschutzscheibe signalisiert. Da aber viele Wagen mit mangelhaften Scheinwerfern unterwegs sind, überprüfen die Fachleute regelmäßig jedes Jahr das Material und die Einstellung. „Die Deutsche Verkehrswacht ist bei der Aktion seit 1956 dabei. Gutes Licht bedeutet mehr Sicherheit und weniger Unfälle, das gilt besonders für Fußgänger und Radfahrer, die im Dunkeln oft schlechter wahrgenommen werden“, unterstreicht DVW-Vize Genilke den Nutzen der regelmäßigen Überprüfung. ZDK-Präsident Jürgen Karpinski hebt die Sicherheit im Straßenverkehr hervor, die der Branche „am Herzen liegt“.

Die Ansage kommt nicht von ungefähr. Jedes fünfte Auto fährt mit mangelhaftem Licht, jeder zehnte Wagen blendet andere Verkehrsteilnehmer. Das ist das Ergebnis des Tests im Vorjahr. Die Meisterbetriebe der Kfz-Innungen hatten im Oktober 2019 wieder mehrere Millionen Fahrzeugbeleuchtungen überprüft. Mehr als 100 000 Ergebnisse flossen in die Statistik ein. Von Roland Weiterer

Die Technik wird immer komplexer

Was war das früher einfach: Taunus, Käfer und Kadett hatten Scheinwerfer mit H4-Halogenlampen. Die erzeugten Abblend- und Fernlicht. Der Licht-Test ging ruckzuck, das Überprüfen vor dem Einstellgerät und die korrekte Einstellung mit dem Schraubendreher dauerten nur wenige Minuten. Heute ist das anders. „Inzwischen gibt es allein über 60 verschiedene Abblendlicht-Verteilungen“, sagt Autolicht-Spezialist Carsten Aring von Hella-Gutmann Solutions. „Und es gibt auch nicht mehr nur eine Hell-Dunkel-Grenze, an der sich der Kfz-Mechatroniker bei der Scheinwerfer-Einstellung orientieren kann.“

Die Revolution in der Lichttechnik ist mit dem Einsatz der Leuchtdioden so richtig in Fahrt gekommen. Ein moderner Audi A8 Matrix-LED-Scheinwerfer hat 25 LEDs als Lichtquellen. Alle lassen sich einzeln ansteuern und dimmen. Unvorstellbare 966 Millionen Lichtverteilungen sind möglich.

Blendfreies Fahren ist Realität: Bis zu acht Verkehrsteilnehmer können im Zusammenspiel zwischen Frontkamera, komplexer Sensorik und Scheinwerfersteuerung während der Fahrt ausgeblendet werden.

Der Fahrer hat immer optimales Licht, und niemand wird geblendet. Damit ist die Entwicklung komplexer Scheinwerfersysteme aber längst noch nicht am Ende – im Gegenteil: Lichtquellen wie organische Leuchtdioden oder Laserlicht stehen gerade erst am Anfang ihres Einsatzes in der Automobilbeleuchtung.

Diese komplexe Lichttechnik stellt die Kfz-Werkstätten beim Licht-Test vor große Herausforderungen. Zwar ist die reine Sichtprüfung der Funktionen Abblend-, Fern- und Nebellicht nach wie vor mit dem Scheinwerfer-Prüfgerät möglich.

Stellt der Kfz-Mechatroniker jedoch Abweichungen von der Norm fest, lässt sich der Fehler nicht mehr einfach per Schraubendreher beheben. Dann geht es nur mit dem Auslesen der Steuerelektronik und der Neujustierung des Scheinwerfersystems mit einem elektronischen Testgerät weiter.

Und das ist nicht mal eben schnell im Vorbeigehen gemacht. „Dafür müssen die Kfz-Meisterbetriebe, die sich am Licht-Test beteiligen, den notwendigen Aufwand berechnen“, sagt ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. Die kostenlose Sichtprüfung hingegen ist auch weiterhin Teil des jährlichen Licht-Tests.

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