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Home Sonderthemen Rund ums Auto Geschäft mit Wallboxen boomt, so Markus Schuchardt von Cubos aus Wolfsburg
01:05 14.11.2020
© ARGE MEDIEN IM ZVEH

Das Thema Elektromobilität nimmt nach schleppendem Start immer weiter Fahrt auf, wie nicht nur die aktuellen Zulassungszahlen belegen. Auch das Geschäft mit privaten Ladesäulen, den sogenannten Wallboxen, floriert. „In den vergangenen Wochen hat eine riesige Welle eingesetzt“, weiß Markus Schuchardt aus der Geschäftsleitung des Wolfsburger Unternehmens Cubos, das größter Anbieter in der Region für die Installation von Wallboxen ist.

© ROLAND HERMSTEIN
© ROLAND HERMSTEIN

Derzeit montieren die Experten der Firma quasi eine Wallbox nach der anderen. „Wenn unser Installateur mit einem Auftrag fertig ist, kriegt er teilweise schon den nächsten Anruf“, berichtet Fritz Kröger, Leiter Elektrotechnik. Ein bedeutender Grund dafür sei die Umstellung der Dienstwagen-Flotte von Volkswagen auf E-Autos. In kurzer Zeit brauchen die davon betroffenen Mitarbeiter abrechnungsfähige Wallboxen, zeitgleich hat Volkswagen mit der Auslieferung der passenden Wallboxen des Tochterunternehmens Elli begonnen, auf die der überwiegende Teil der Dienstwagenfahrer zurückgreift.

„Lange war unklar, wann die Auslieferung beginnt. Der Launch wurde mehrfach verschoben, zuletzt hieß es sogar, dass die ID. Charger von Elli frühestens Anfang November bei den Kunden sind. Doch dann ging alles ganz schnell“, sagt Schuchardt. Seitdem arbeitet Cubos die Aufträge stringent ab, die Teams schaffen jeweils zwei bis drei Installationen am Tag.

© VOLKSWAGEN AG
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HOHE ANSCHAFFUNGSKOSTEN

Cubos rechnet allerdings mit einer weiteren, deutlichen Zunahme der Aufträge. „Ich glaube, wir befinden uns derzeit an einem Tipping-Point. Bald werden Elektroautos das Bild auf den Straßen bestimmen“, ist Cubos-Geschäftsführer Marc Wille überzeugt. Vor allem das brandneue Förderprogramm, das die Installation privater Ladesäulen ab dem 24. November mit 900 Euro unterstützt, dürfte noch mal für einen kräftigen Schub sorgen.

Denn: Die Anschaffung einer Wallbox ist nicht unbedingt günstig. „Die Preise für eine Wallbox mit 11 KW Ladeleistung, wie sie auch Elli und die LSW anbieten, liegen bei ungefähr 400 Euro“, erklärt Kröger. Wer dazu noch ein System mit Zugangsberechtigung und Abrechnungsmöglichkeit oder sogar App-Steuerung möchte, der muss noch mal mehr hinlegen. „Für 850 Euro kriegt man Produkte, die eigentlich alles können und manchmal sogar schick designt sind“, weiß Schuchardt.

© ROLAND HERMSTEIN
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Obendrauf kommen aber noch die Kosten für die Installation – und die kann durchaus kompliziert und damit auch teuer sein. „Viele denken, ein Starkstromanschluss reicht aus. Doch Starkstrom ist nicht gleich Starkstrom“, erklärt Kröger. Der Experte hat schon viele Installationen vorgenommen und weiß um die Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben können, zumal in früheren Jahren bei der Verlegung der Elektrik kaum an den Triumphzug der Elektromobilität gedacht wurde. „Für die Installation einer Wallbox braucht man ein Fünf-mal-Sechs-Quadrat-Kabel vom Hausanschluss direkt zur Wallbox – ohne Zwischenanschluss“, vereinfacht Kröger. Denn die Kabel müssen die Leistung aushalten, sonst kann es schnell zum Überhitzen kommen und damit im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich werden. „Die Fälle, in denen wir nur mal kurz drei Meter Leitung legen müssen, kann man deswegen an einer Hand abzählen“, berichtet Kröger. Zwischen 1200 und 1800 Euro müsse man für die Installation deshalb einrechnen.

Was die Wallboxen angeht, ist Cubos übrigens an keinen Hersteller gebunden. „Wir beraten objektiv hinsichtlich Ladeleistung, Komfortfunktion und Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Kröger. Er etwa empfiehlt den Kunden, auf Wallboxen mit 22 kW Ladeleistung zu setzen. Diese seien nur unwesentlich teurer als die derzeit handelsüblichen 11-kWBoxen. „Zumindest sollte man heute schon bei der Installation die Kapazitäten für eine 22-kW-Box einplanen“, rät er. Denn: Ob das derzeitige Stromnetz an vielen Stellen überhaupt darauf ausgelegt ist, dass jedes Haus eine Wallbox hat, muss sich erst noch zeigen. Nicht umsonst müssen private Ladestationen beim Stromversorger angemeldet werden. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst und haben ist besser als brauchen“, verdeutlicht Marc Wille.


„Zumindest sollte man heute schon bei der Installation die Kapazitäten für eine 22-kW-Box einplanen.“


In Sachen eigene Versorgung der Wallbox durch eigene Solarenergie und Energiespeicher oder Lastenmanagement etwa für Mehrfamilienhäuser oder Parkhäuser bietet Cubos deswegen auch gleich Lösungen an. „Wir glauben, dass das gerade für Arbeitgeber immer attraktiver werden wird. Denn wo stehen unsere Autos die meiste Zeit?“, verdeutlicht Wille.

Auf eine App-Steuerung der Wallbox können die Kunden aus Krögers Sicht hingegen noch verzichten. „Das intelligentere Lademanagement befindet sich derzeit noch im Auto. Das reicht aus“, empfiehlt der Experte.

Aber warum überhaupt auf eine Wallbox setzen, wenn E-Autos doch auch über normale Haushaltssteckdosen geladen werden können? Auch dafür hat Kröger ein einfaches Rechenbeispiel: „Eine Haushaltssteckdose benötigt bis zu sieben Stunden, um so viel Energie bereitzustellen, wie ein ID.3 nach WLTP auf 100 Kilometern verbraucht – mit einer handelsüblichen 11-kW-Wallbox reduziert sich die Zeit hingegen auf weniger als 90 Minuten.“

KLEINE ANPASSUNGEN

Und so spüren auch die Betriebe der regionalen Elektro-Innungen eine immer größere Nachfrage – auch nach leistungsstärkeren Wallboxen bis zu 22 kW für eine höhere Ladeleistung. „Aber die Unternehmen sind bestens gerüstet“, betont beispielsweise Burghard Selent, Obermeister der Wolfsburger Innung für Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektromaschinenbau. Denn es bedürfe weder einer besonderen Zusatzausbildung noch einer außergewöhnlichen Werkzeug-Ausstattung für die Fachleute. Schließlich handele es sich bei der Installation der Ladeboxen in der Garage oder auch unter dem Carport um einen herkömmlichen Elektro- beziehungsweise Starkstromanschluss, der in einigen Fällen lediglich kleine Anpassungen im heimischen Sicherungskasten erforderlich mache. „Aber ansonsten ist der Anschluss der Wallboxen für Elektroautos ein Arbeitseinsatz wie jeder andere auch“, betont er. Von Steffen Schmidt und Melanie Stallmann
  

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