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Themenwelten
09:34 18.09.2021
Fotos: Rudolf Karliczek

In einem Schrebergarten am Lerchenfeld in Salder geht es hoch hinaus. Friedel Munzel hat auf seinem Grundstück einen neun Meter hohen Förderturm erstellt, bei dem es an nichts fehlt und der an die Unglücksanlage „Hannover Treue 1“ erinnern soll. Dort verloren im Sommer 1960 insgesamt 33 Bergleute ihr Leben.

Jedes Grubenunglück ist eines zu viel, daran lässt der einstige Bergmann keinen Zweifel. Den 77-jährigen Gartenbesitzer stört es ein wenig, dass in der Region immer nur vom Wunder von Lengede und dem Drama im Mathildenschacht die Rede ist, wenn es um traurige Anlässe geht. Kaum ein Wort zu dem verheerenden Grubenbrand in Salzgitter drei Jahre zuvor. Eine kleine leichtsinnige Kokelei endete tödlich in 340 Metern Tiefe. Es war also nicht nur Schwerstarbeit, die Friedel Munzel und seine Kollegen früher unter Tage verrichteten, sie war auch lebensgefährlich.

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„Das war echte Maloche, aber gut bezahlt“, erinnert sich der gebürtige Steterburger, der damals allerdings nicht in Salzgitter arbeitete, sondern 1958 nach Castop Rauxel gegangen war, um den Beruf des Hauers zu erlernen. Knapp zehn Jahre verbrachte er im Kohlebergbau im Ruhrgebiet, bis dort das Zechensterben einsetzte. Dann kam er zurück, war auf der Südstrecke im Schacht Konrad tätig, ehe er umschulte und als Stahlbauschlosser bei der SMAG anheuerte.

Doch die Zeit im Bergbau hat ihn geprägt, noch Jahr zehnte später erforschte er zum Spaß Höhlen im Harz. Was ihn nach so langer Zeit in seinem top gepflegten Garten zum Bau eines Förderturms bewogen hat, weiß er nicht genau. Drei Jahre hat er insgesamt gebraucht, eher er – ganz alleine – das Gerüst aufgebaut und über Seilwinden aufgestellt hat. Das Eisen und den Stahl hatte er vom Schrottplatz geholt. Alles entstand im Kopf, er kam ohne Zeichnung und Pläne aus.

Fertig ist Friedel Munzel aber noch nicht. Ihm sind die vielen Details wichtig, angefangen vom Warnschild, das am Gartenweg den Durchgang verbietet. Keilhaue, Presslufthammer, Handlampe und Alarmglocke hängen am Eingang, auf Knopfdruck drehen sich die Räder, als ob die Anlage tatsächlich läuft. Und abends lässt sich der Schacht „HT1“ beleuchten.

Auch das kleine Gartenhaus gleicht bei Friedel Munzel einem kleinen Museum. An der Wand hängt ein „Arschleder“, mit dem die Bergleute einst über die Steine rutschten. Ob Staubmaske, Steighammer aus Messing oder eine Vitrine mit Stücken von Bleiglanz und Steinkohle. Bei ihm finden sich allerlei Raritäten aus den 50er- und 60er-Jahren. Wer ihn besucht, sollte etwas Zeit mitbringen, denn zu fast jedem Stück kann Friedel Munzel eine Geschichte erzählen. Und jede davon ist hörenswert.

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