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Home Sonderthemen Gesundheit/Pflege Arthrose: Wenn die Gelenke nicht mehr wollen
00:00 24.03.2019
Steffen Ludwig: Hüftarthrose zählt zu den häufigsten Arthrosearten FOTO: PRIVAT

Von Nicole Laskowski

PEINE. „Wer rastet, der rostet“ – mehr als ein Sprichwort, vielmehr pure Realität. Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung, an der etwa fünf Millionen Deutsche leiden. Tendenz steigend. Seit Jahren nehmen Arthrose und Gelenkverschleiß deutlich zu. „Und dies sogar vermehrt bei jüngeren Menschen ab 20“, so Physiotherapeut Steffen Ludwig.

„Bewegungsmangel steht als einer der Hauptgründe fest, oft in Kombination mit Übergewicht. Auch Fehlstellungen wie O- oder X-Beine, Sportunfälle oder Stürze sind für den vorzeitigen Verschleiß von Gelenkknorpeln verantwortlich“, so der Physiotherapeut, der auch als fachlicher Leiter einer Physiotherapie- Praxis in Vöhrum tätig ist.

Häufig seien die großen Gelenke wie Knie und Hüfte betroffen. Aber auch kleine Gelenke, wie zum Beispiel Arthrose der Großzehengrundgelenke, hervorgerufen durch falsches Schuhwerk, verursachen Beschwerden.

„Im Verlauf der Arthrose nutzt sich der Knorpel immer mehr ab, später reibt Knochen auf Knochen. Das führt zu starken Schmerzen und einer deutlichen Beeinträchtigung. Die Gelenkinnenhaut kann durch abgelöste Knorpelteilchen gereizt werden und es bildet sich ein Erguss. Das Gelenk wird warm und dick, hier hilft oft ein Hausmittel: Ludwig empfiehlt Quarkwickel. So weit müsse es aber gar nicht kommen – es bewahrheite sich wieder: „Wer rastet, der rostet“, gibt der Experte an. „Bei Gelenkverschleiß ist regelmäßiges Training wichtig.


"Wer rastet, der rostet. Bei Gelenkverschleiß ist regelmäßiges Training wichtig."

Steffen Ludwig
Physiotherapeut


Auch mit Gelenkproblemen kann man Sport treiben – Schwimmen zum Beispiel. FOTO: DPA
Auch mit Gelenkproblemen kann man Sport treiben – Schwimmen zum Beispiel. FOTO: DPA

So werden Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit im Gelenk verteilt und in den gefährdeten Knorpel „einmassiert“. Zusätzlich sorgt Bewegung für muskuläre Stabilität und eine gute Koordinationsfähigkeit. Beides Faktoren, die bei Arthrose ebenfalls wichtig sind und gezielt vor einem Abrieb der Knorpelsubstanz schützt.

Jedoch ist nicht jede Sportart gleich gut geeignet. „Im Tennis, beim Squash oder intensivem Joggen werden die Gelenke zu sehr belastet. Es gibt nicht zu viel an Bewegung, sondern nur eine falsche oder zu hohe Belastung“, erklärt der Therapeut.

Ist es bereits zu spät und der Verschleiß zu weit fortgeschritten, kommt es unvermeidlich zum Gelenkersatz. Auch vor geplanten Operationen ist ein gezieltes Muskeltraining aus therapeutischer Sicht zu empfehlen. „Es zeigt sich immer wieder, dass Patienten, die bis kurz vor einer notwendigen OP regelmäßig Sport gemacht haben, nach dem Gelenkersatz deutlich schneller wieder fit werden“, betont Ludwig.


Insgesamt halten sich über vierzig Ü-80-Jährige im PhysioFIT mit Fitnesstraining fit und gesund.
Insgesamt halten sich über vierzig Ü-80-Jährige im PhysioFIT mit Fitnesstraining fit und gesund.

PEINE. Für Sport ist es nie zu spät: Auch wer erst im höheren Alter anfängt, regelmäßig Sport zu treiben, kann dadurch seine Aussichten auf einen gesunden Lebensabend deutlich erhöhen. Das fanden britische Wissenschaftler bei der Untersuchung von 3500 Menschen im Alter von durchschnittlich 64 Jahren heraus.

Physiotherapeut Rouven Böse bestätigt dies und erklärt: „Über acht Jahre hinweg beobachteten die Forscher die Senioren und kamen zu dem Schluss: Wer regelmäßig maßvoll oder kräftig Sport trieb, dessen Aussichten auf ein gesundes Altern erhöhten sich um das Siebenfache. Als Altern bei guter Gesundheit definierten die Wissenschaftler ein Leben ohne chronische Krankheit, ohne größere physische Einschränkungen sowie mit einer guten mentalen Gesundheit.“ „Das chronologische Alter ist ein zuverlässiger Indikator für das Sterberisiko des Menschen, jedoch sagt das biologische Alter mehr darüber aus, wie lange jemand leben wird“, erklärt der Physiotherapeut.

„Das biologische Alter basiert auf der körperlichen Fitness und lässt sich mithilfe von Belastungstests bestimmen. Hört ein 45-Jähriger, dass sein physiologisches Alter bei 55 Jahren liegt, sollte dies ein Weckruf sein. Andererseits lebt ein 65- Jähriger mit einem biologischen Alter von 50 wahrscheinlich länger als seine Altersgenossen“, so der Trainingsexperte.

Rouven Böse FOTOS: PRIVAT
Rouven Böse FOTOS: PRIVAT

„Muskelerhalt und -aufbau sind Voraussetzungen für den Erhalt von Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter. Fällt das Aufstehen aus dem Sessel schwer, beginnt ein Teufelskreis. Automatisch bewegen sich Betroffene weniger und fördern so den biologisch bedingten Kraftverlust. Zudem nimmt die Knochendichte ab, die Knochen werden bruchanfälliger. Die Belastbarkeit der Gelenke sowie des Herz-Kreislaufsystems schwin- Insgesamt halten sich über vierzig Ü-80-Jährige im PhysioFIT mit Fitnesstraining fit und gesund. det, was weitreichende gesundheitliche Folgen hat“, so Böse. Für den Muskelaufbau ist es nie zu spät. „Wer in höherem Alter mit Krafttraining beginnen möchte, sollte Rücksicht auf vorhandene Erkrankungen und Verletzungen nehmen. Für den Start sollte Wert auf professionell ausgebildete Trainer gelegt werden“, empfiehlt Böse. „Wichtige Trainingsregeln, zum Beispiel zur Regeneration nach dem Training, sollten beachtet werden. Auch die Förderung der Flexibilität sowie ein spezielles Koordinationstraining zur Sturzprophylaxe sollten Bestandteil eines durchdachten Trainingsplanes sein.“ nic



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